Manhattan - Westpoint und zurück

 

New York City – Stadt der Superlative und somit Magnet für Touristen aus aller Welt jedes Jahr.

 

 

Auch wenn die meisten davon außer dem Stadtteil Manhattan mit all seinen Attraktionen kaum etwas zu sehen bekommen, will dieser Bericht nicht in Konkurrenz treten mit den Abertausenden von City-Beschreibungen. Vielmehr ist er an all jene gerichtet, die die Strassenschluchten mit ihren Menschenmassen mal für einen Tag hinter sich lassen wollen und zwar nicht im Auto, sondern auf dem Rücken des wohl interessantesten Fortbewegungsmittel: dem Motorrad !

 

Ich "erfuhr" diese Tour in den letzten 15 Monaten hauptsachlich auf meiner BMW R1100 RS, unterstützt nur von Ratschlagen anderer Biker, dem Internet und natürlich dem Blick auf die Landkarte

 

Ausgangspunkt ist Manhattan – und das gleich vornweg: kein allzu sicheres Pflaster für Motorradfahrer .

 

Schlechte Strassen, tief liegende Kanaldeckel und nicht zuletzt die Fahrer der "Yellow Cabs" können einem das Fahren zur Qual machen. Deshalb sollte man versuchen, so schnell wie möglich auf eine der beiden Autobahnen zu kommen, die die Insel auf beiden Seiten einrahmen. Entweder der Henry Hudson Parkway (im südlichen Teil der Stadt auch unter den Namen ‘West Side bzw. Miller Highway’ ausgeschildert) im Westen und der Franklin D. Roosevelt Drive im Osten bringen eine schnell zur George Washington Bridge, und somit zur Tür zwischen Stadt und Hinterland.

 

Der Verkehr auf dieser 1930 fertig gestellten Brücke läuft auf 2 Ebenen sowohl stadtein- als auch stadtauswärts. Wähle den "Upper Level", denn hier hat man einen freien Blick sowohl auf die Skyline von NYC als auch den Hudson. Die Hoechstgeschwindigkeit ist auf 35 Meilen festgelegt, was man, besonders wenn man die GWB zum ersten Mal befährt, auch einhalten sollte: unerwartet starke Windböen machen einem erst bewusst, in welcher Höhe man sich befindet.

 

Mit dem Überschreiten der Brücke verlässt man auch zunächst den Staat New York und befindet sich nun in New Jersey . Kein großer Beinbruch eigentlich, nur dass sich jetzt einige Verkehrsregeln ändern: Rechtsabbiegen ist hier z.B. auch bei roter Ampel und freiem Verkehr von links erlaubt. Auch die Staatshöchstgeschwindigkeit liegt bei 65 mph ( ja wirklich nur 110 kmh ) und somit 10 Meilen höher als in NY. Aber was soll's: geduldige Autofahrer machen einen ebenso wie in unseren Landen durch sanftes Hupen schnell mit den neuen Regeln vertraut.

 

Jedoch auf der anderen Seite angekommen, verlassen wir die I95 und fahren rechts auf den "Palisades Parkway". Die eben bereits angesprochene Hoechstgeschwindigkeit liegt bei sage und schreibe 50mph, doch 10-15mph drüber werden auch von den ansonsten strengen Highway-Polizisten meist toleriert.

 

Bereits nach wenigen Minuten sieht man ein blaues Schild, das auf einen Rastplatz mit "Senic View" hinweist mit dem Namen Eaglewood Cliffs. Wer hier rausfährt, sieht sehr schnell, dass dieser Hinweis auf keinen Fall übertrieben ist: träge fließt der Hudson auf die George Washington Bridge und die Skyline von NYC zu.

 

Doch weiter geht's auf dem Palisades. Man vergisst hier sehr schnell, dass man erst vor wenigen Minuten eine Millionenstadt hinter sich gelassen hat. Bäume zu beiden Fahrbahnseiten sind ab jetzt unsere ständigen Begleiter, und erinnern uns eher an Bilder aus New England.

 

Auch der Highway selbst scheint noch wachsen zu müssen, wenn er einmal mit unseren Vorstellungen von amerikanischen Autobahnen übereinstimmen will.

 

Nach ungefähr 25 Meilen verlassen wir ihn bei Exit 16 (Vorsicht: Ausfahrt ist nach links) und ab jetzt wird wirklich Motorrad gefahren!

 

Bereits die erste Straße lässt uns tief in die Wälder in und um Bear Mountain eintauchen. Kurven mit jedem Schwierigkeitsgrad scheinen hier im Sonderangebot zu sein, doch sollte man auf die vielen Wanderer achten, mit denen wir nur allzu oft die Fahrbahn teilen müssen.

 

Von den vielen Strecken und Sehenswürdigkeiten, die es hier gibt, möchte ich nur zwei herauspicken: "Seven Lake Drive" und Aussichtsturm auf dem Bear Mountain.

 

Ersterer führt, wie der Name schon sagt, an sieben wunderschönen Seen vorbei. Man kann sich etwa in der Mitte der Strecke innerhalb eines Kreisels ausruhen und die zahlreichen vorbeifahrenden Motorräder beobachten.

 

Der Aussichtsturm ist über eine kleine und sich in schrecklichem Zustand befindliche Strasse zu erreichen. Doch erst einmal oben angekommen, lässt einen die Aussicht die etwas rubbelige Fahrt schnell vergessen: Wald soweit das Auge reicht, nur von in der Sonne strahlenden Seen unterbrochen. Wer sogar das Glück hat, an einem sehr klaren Tag hierher zu kommen, der kann im Hintergrund die Skyline von NYC sehen.

 

Dass dieser Berg ein beliebter Motorrad-Treff ist, muss ich wohl kaum erwähnen, dafür aber etwas über die Entstehungsgeschichte des Parks: Bereits Ende des 19.Jahrhunderts gab es Bestrebungen der raschen Industrialisierung dieses Gebietes durch die Schaffung eines Parks entgegen zu wirken. Doch leider fehlte schon damals das nötige Geld dafür, bis der Staat New York plante, am Bear Mountain das Sing Sing Gefängnis zu bauen. Auf der Stelle wurden die nötigen Gelder von einflussreichen Geschäftsmännern der Region zur Verfügung gestellt, wohl kaum aus Interesse an der Natur – aber was soll's?!

 

Verlassen wollen wir nun Bear Mountain auf dem "Seven Lakes Parkway" in nördlicher Richtung und gelangen über die US-6 sowie US-9W auf einer meiner Lieblingsstrasse: US-218.

 

Bereits nach wenigen Minuten erreichen wie ein Dorf, das wohl einer der berühmtesten Militärakademien ihren Namen gab: West Point.

 

Zumindest seit " Fackeln im Sturm" ist dieser Name wohl den meisten vertraut, aber wenn man nun erwartet, dass man vom Kampfgeschrei kurzgeschorener GI-Köpfe vom Bock gerissen wird, hat man sich ein wenig verschätzt. Unter dem Motto: Duty, Honor, Country werden junge Frauen und Männer in einer ferienparkähnlichen Anlage auf ihre Mission vorbereitet: dem Vaterland zu dienen.

 

Trotzdem lohnt sich der Besuch, ist die Akademie doch das ganze Jahr über für Besucher geöffnet.

 

Wer mehr Informationen zu Bear Mountain und West Point haben möchte, kann im Internet unter: www.hudsonriver.com nachschauen.

 

Wieder auf der US-218 will uns diese Strasse jetzt zeigen, warum sie bei Motorradfahrer ganz oben im Kurs steht: Kurve reiht sich an Kurve wie die Perlen einer Kette. Oft nur durch ein kleines Mäuerchen am rechten Fahrbahnrand unterbrochen, kann unser Blick auf den viele Meter unter uns vorbeiziehenden Hudson River schweifen. Man sollte ruhig bei einem der wenigen Rastplätze (besser vielleicht: Straßenausbuchtungen) herausfahren und das ganze Schauspiel in Ruhe genießen.

 

Leider dauert diese Naturaufführung nur wenige Meilen und sobald man die 218 verlassen und wieder auf die 9W muss, gibt es zwei Möglichkeiten: man folgt der 9W weiter nach Norden, durch wenig schöne Landstriche und besucht einige der zahlreichen Weinberge, oder man folgt den Hinweisschildern zur Interstate 87.

 

Ich bevorzuge den angenehmeren Weg über die Autobahn, zum einen um noch ein wenig vom bereits Gesehenem zu träumen und mich auf der anderen Seite auf die folgenden Herausforderungen vorzubereiten.

 

Bei Exit 18 geht's auf die 299 und wir erreichen den Ort New Paltz, der im 17ten Jahrhundert von französischen Hugenotten gegründet wurde. Zeugen dieser Zeit findet man noch in der "Huguenot Street" in Form von sechs Original-Steinhaeusern erbaut zwischen 1692 und 1890.

 

Wir folgen der 299, bis sie in die US-44 mündet. Genau am Zusammenschluss dieser beiden Straßen liegt linkerhand das "Mountain Brauhaus – German-American Home Cooking ".

 

Ich weiß nicht, ob es Kurzbesuchern nach deutscher Küche steht, für mich aber gehören die hier angebotenen Gerichte wie Brotwurst oder Sauerbraten zu absoluten Leckerbissen. Auch wer keinen Hunger hat, sollte zumindest mal reinschauen. Die gesamte Inneneinrichtung einschließlich der Bilder von Köln und Michelstadt lassen einen nur schwer glauben, wie viele Kilometer man von der Heimat entfernt ist.

 

Weiter auf der 44 in westliche Richtung steht wieder Motorradfahren ganz im Mittelpunkt. Bergauf oder -ab geht's auf wunderbaren Strassen, die auch den Erwartungen etwas schnellerer Zeitgenossen gerecht werden.

 

Anschließend geht's über die US-209 Richtung "Catskills". Dieses Gebiet mit allen seinen großen und kleinen Roads zu beschreiben, würde den Rahmen dieses Berichtes leider sprengen. Deshalb der Einfachheit halber wieder nur ein Verweis auf die Seite www.catskillpark.com oder ihr schreibt mir einfach ein mail an: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

Hier möchte ich meine Tour auch langsam beenden. Über die I-87 geht's direkt nach New York City zurück. Als kleiner Tipp sei noch gesagt, dass die Benutzung der Brücken oder Tunnels stadteinwärts gebührenpflichtig ist und man am besten schon vorher einige Dollar-Scheine in seine Jackentasche steckt (George Washington kostet pro Motorrad $ 3)

 

 

 

Unser neues Projekt ist online: Mein Baden-Baden

Datenschutz und Impressum