Südamerikatour

 

Ein Bericht von Martin Graf

 

 

In Santiago de Chile wurde ich von einem Freund am Flughafen abgeholt. Bei ihm durfte ich einige Tage verweilen, bis das Schiff mit der Töffkiste an Bord im Hafen von Valparaiso eingelaufen war. Er hat mir auch geholfen den Papierkram für den Zoll vorzubereiten. Per Bus bin ich zum Hafen gefahren und konnte meine DR-Big innerhalb von 3 Stunden aus dem Zollgelände befreien. Dann ging's los.

 

Eigentlich wollte ich ja zuerst nach Patagonien runter. Als ich jedoch 400 km Richtung Süden zurückgelegt hatte und mit den Einheimischen sprach, haben mir alle davon abgeraten weiter gen Süden zu fahren. Mit der Begründung ich sei noch 1-2 Monate zu früh, dort regne es nur und sei kalt. So habe ich meinen Plan geändert und habe den Weg der schönen Küste entlang Richtung Norden eingeschlagen. Natürlich nicht ohne dem Parque National Pan de Azucar einen Besuch abzustatten. Da gerade Nebensaison herrschte, konnte ich einen ganzen Nationalpark für mich alleine in Anspruch nehmen. In Antafogasta habe ich die Küste verlassen und bin landeinwärts durch die Atacamawüste bis San Pedro gefahren.

 

Auf dem Campingplatz habe ich Urs, einen Basler der auch mit dem Motorrad unterwegs war, kennen gelernt. Zusammen haben wir die Weiterreise durch den Parque national Salar de Colorado geplant. Vollgepackt mit Benzin und Wasser für 3 Tage sind wir dann losgefahren und haben die Grenze zu Bolivien überquert. Der bolivianische Zöllner hat uns ganz freundlich begrüßt und unsere Pässe abgestempelt. Eine Registrierung der Motorräder erhielt er nicht für nötig. Wir auch nicht. In einer alten Militärunterkunft erhielten wir nachts Schutz von -20° C. Am zweiten Tag ist Urs ziemlich übel gestürzt, da die Sandpiste sehr schlecht und nur mit Geländewagen befahrbar ist. Er blieb unverletzt, sein Motorrad hat jedoch schrecklich ausgesehen. Blinker abgebrochen, Seitenkoffer abgerissen und am schlimmsten: die Gabel seiner African Twin war total verbogen. Er versuchte zwar noch weiter zu kommen, nach dem 10. Sturz gab er jedoch auf. So saßen wir dann mitten in der Wüste auf dem heißen Sandboden, 2 Tage vom nächsten Dorf entfernt, und berieten, was wir tun könnten. Wir beschlossen, sein Motorrad stehen zu lassen. Er wollte mit mir mitfahren um einen Transport zu organisieren.

 

Doch welch Engel, wenige Sekunden bevor wir losfahren wollten, tauchen am Horizont zwei Fahrzeuge auf. Es sind zwei Zürcher, die mit ihren Motorrädern in New York gestartet sind und Richtung Feuerland unterwegs waren. Harry ist Mechaniker und war mit Seitenwagen ausgerüstet in dem sich ein großer Werkzeugkasten befand. Zusammen haben wir Urs Motorrad wieder flott gekriegt und konnten unsere Reise in entgegengesetzte Richtung fortsetzen. Auf dem großen Salzsee fuhren Urs und ich nach Uyuni und weiter bis nach Potosi wo wir 2 Tage rasteten, uns und unsere Motorräder wieder auf Vordermann brachten. Ich besichtigte noch die Silberminen, welche mich sehr beeindruckt haben.

 

Über die Hauptstadt Sucre sind wir auf sehr schlecht ausgebauten Transitstrassen bis nach Cochabamba gefahren wo sich unsere Wege trennten. Urs ging Richtung Ecuador und ich drehte Richtung Patagonien ab. Von Cochabamba bin ich dann wieder alleine losgefahren in die Yungas, das bolivianische Amazonasgebiet. In Puerto Villaruel habe mein Motorrad auf ein Zementfrachtschiff verladen und bin 4 Tage den Fluss runter bis Trinidad mitgetuckert. Am ersten Abend haben wir bei einem Indiodorf mitten in Regenwald angelegt wo mich schier die Mücken fressen wollten. Ich habe mich schon gefragt wie ich die Nacht überstehe ohne Moskitonetz. Daraufhin habe ich den Dorfältesten um Rat gefragt. Er hat mir geantwortet ich hätte doch bestimmt ein Zelt dabei, da hätte es ein Moskitoschutz. So habe ich mein Iglu auf dem Schiffdach aufgestellt und konnte doch noch eine geruhsame Nacht verbringen. Die zweite Nacht war dann nicht mehr so ruhig, da um 3 Uhr morgens ein Regensturm losbrach, der mich fast vom Dach gestürmt hatte. In Trinidad angekommen, zeigte sich der Regenwald sodann von seiner wahren Seite und ich hatte eine Schlammschlacht sondergleichen zu überwinden.

 

Auf der Teerstrasse ging's danach rassiger voran bis Santa Cruz de la Sierra. Um die Spannung ein bisschen zu steigern, habe ich in Cuevo einen auf der Karte als Nebenstraße 3. Klasse eingezeichneten Weg eingeschlagen. Weg ist jedoch übertrieben, Trampelpfad trifft es viel eher. Nach den ersten 10 Kilometern, 20 Bachüberquerungen und 3 Stürzen habe ich mich dann gefragt, ob ich nicht besser umdrehe, da keine Spuren anderer Fahrzeuge mehr zu sehen waren und gemäß GPS noch 110 Kilometer vor mir lagen. Ich habe mich dann doch nicht mehr getraut, da ich ja die bereits zurückgelegte Strecke kannte.

 

Mit frischem Mut habe ich am nächsten Morgen die Strecke in Angriff genommen. Weitere 30 Bachüberquerungen und weite Strecken im nachher ausgetrockneten Flussbett brachten mich dann zu einer Rinderfarm, deren Besitzer mich gleich zum Mittagessen eingeladen hat. Er erzählte mir, dass dieser Weg eigentlich nicht durchgehend sei und er sich frage, wie ich da durchgekommen sei. Seine Farm war ans Wegnetz angeschlossen, da in der Nähe Erdöl gefunden wurde und die Firma für den Unterhalt der Straße aufkommt.

 

So erreichte ich Tarija von wo ich nach Villazon, zur argentinischen Grenze weiterfuhr. Kurz nach der Grenze beginnt die Ruta 40, eine Strasse die sich über 6000 Kilometer bis Feuerland erstreckt. Sie führte mich anfangs über endlosen Weiten und Salare bis San Antonio de los Cobres, einer Kupferminenstadt. Hier steigt sie auf bis 4850 Meter über dem Meeresspiegel. Da wurden aus meinen 50 PS dann noch deren 5. Auf der andern Seite des Passes übernachtete ich in einem windgeschützten Seitental. Mitten in der Nacht erwachte ich auf dem harten Steinboden. Ein Kaktus hatte meine Luftmatratze durchlöchert.

 

Weiter ging's nach Belén, einer Kleinstadt etwa in der Größe von Rorschach. Auf dem Campingplatz habe ich Sebastian kennengelernt. Er stellte mich seinen 10 Freunden und diese wiederum ihren 10 Freunden vor. So kannte ich innerhalb kürzester Zeit die ganze Stadt, oder besser gesagt sie mich. Sogar in Lokalradio wurde ein Interview von mir gespielt. Jeden Tag wollte mich jemand Anderes zum Essen einladen und jeden Tag fand Irgendjemand einen Grund oder ein Fest, dass ich nicht weiterreisen soll. Weihnachten durfte ich bei Sebastians Familie feiern. Sein Bruder ist Koch und hat ein vorzügliches Menü auf den Tisch gezaubert. Um Punkt Mitternacht wird Feuerwerk gezündet. Es werden alle geküsst und umarmt und man wünscht sich "Fröhlichkeit". Die Weihnachtsbeleuchtung beschränkt sich auf den 24. & 25.12 und den Gschenklibrauch kennen sie nicht. Morgens um Zwei geht's ab in die Dorfdisco wo bis zum Morgengrauen Cumbia und Quartett getanzt wurde. Nach Weihnachten und zwei Wochen Belén musste ich mich fast davonschleichen, sonst wäre ich immer noch dort. Die argentinische Gastfreundschaft ist einfach grandios.

 

Ueber Chilecito und San Augustin fuhr ich weiter auf der Ruta 40 bis in die Großstadt Mendoza, wo ich am Sylvester gegen Mittag eintraf. Bei der ersten Töffbude hielt ich, um nach 9000 Km einen dringendst notwendigen Reifen- und Ölwechsel vorzunehmen. Als Marcelo der Mechaniker erfährt, dass ich einen Campingplatz suche, lädt er mich spontan zu sich ein. Am Abend fuhren wir zu seinem Onkel zum Festessen wo ich oben am Tisch Platz zu nehmen hatte und wieder mal Rede und Antwort stehen durfte. Dabei hörte mir die über 20-köpfige Familie gespannt zu, was ich aus fernen Ländern zu berichten hatte. Nach dem Essen fuhren wir dann mit Marcelo's Töffgang zur Plaza, um endlose Runden zu drehen und Bier zu trinken. Am Neujahrstag unternahmen wir mit der ganzen Bande einen Ausflug zu den Thermen oberhalb Mendoza, um richtig auszuspannen. Unsere Flucht vor der Polizei (niemand trägt Helm) ist das Thema des abends.

 

Von Mendoza bin ich weiter nach Malargue gefahren, wo ich die Anden nach Chile überqueren wollte. Der Pass war jedoch noch geschlossen und der Nächste erst 500 km weiter südlich. Dort fuhr ich hinüber auf die chilenische Seite bis Temuco. Die Gegend hier ist wunderschön. Es gibt viele Vulkane, Wasserfälle, Flüsse und Nationalparks zu besichtigen. Daher ist diese Gegend auch sehr touristisch. Viele Schweizer haben hier Herbergen eröffnet. Über Villarica fuhr ich bis Pucon, einem Tourikaff der Schönen und der Reichen von Chile, ähnlich unserem St.Moritz.

 

Abends sitze ich in einem Strassenkaffee, als mich eine Chica dazu überredet, mit ihr eine Vuelta (spanisch für "Runde", undefinierter Länge, meistens um die Plaza) zu drehen. So hab ich mal kurz aufgedreht. Zurück auf dem Parkplatz holt mich die Polizei mit ihren 250er Töffli ein und verlangt sofort meine Dokumente. "Na sind sie den von allen guten Geistern verlassen, mit 100 Sachen durch die Gegend zu blochen und die Langsamfahrschwellen als Schanze zu missbrauchen, dazu noch ohne Helm?" "Ja wissen sie Herr Kommissar" antworte ich nicht ganz im Ernst. "Ich wollte doch nur dieser Chica ein bisschen imponieren." "Ach so, verstehe" meint er. "Na dann lass mal gut sein. Aber das Nächste mal bitte Ausserorts", und er händigt mir meine Papiere wieder aus. Machogehabe gilt hier eben noch als Bußenerlass!

 

Weiter fuhr ich nach Valdivia, einer deutschen Stadt an der chilenischen Südküste. Kurz darauf fing ich mir meinen zweiten Platten auf meiner Reise ein, den ich jedoch in einer Lastwagenwerkstatt reparieren lassen konnte. Danach schlug ich wieder mal einen Nebenweg ein. Diesmal endete es damit, dass ich einen über 1 Meter tiefen Fluss zu durchqueren hatte. Um ein Haar haut's mich dabei aus dem Sattel. Total durchnässt erreichte ich das gegenüberliegende Ufer. Sogar mein Geld und meine Ausweise wurden dabei gewaschen. In Puerto Varas setzte ich mich auf die Hafenmole um die Karte zu studieren. Dabei sprach mich Paola an. Sie erläuterte mir, dass es schon lange ihr Traum sei, mal mit so einem Motorrad in die Ferne zu fahren. Sie könne ja mitkommen antworte ich spontan. Zwei Stunden später ist sie mit einem Bauchtäschli bepackt zurück und los geht's. In Puerto Montt kaufte ich ihr noch einen Schlafsack. Danach ging's per Fähre rüber auf die Insel Chiloe wo wir in 5 Tagen bis zur Südspitze nach Quellon reisten. Dort kaufte ich ihr das Busticket für die Rückfahrt nach Puerto Veras und für mich das Fähreticket nach el Chaiten. Dank 200 Regentagen pro Jahr war es auch mir nicht vergönnt, zum ersten Mal auf der Reise das Regenkombi auszupacken.

 

Hier beginnt die Carretera Austral, eine über 500 Km lange Schotterpiste im Süden von Chile. Schön war's trotz Regen. Nur zum campen hat's mich nicht angemacht, obwohl es dazu super Plätze hatte. Links und rechts stürzen Wasserfälle hunderte von Metern in die Tiefe. Man kommt an vielen Seen vorbei und überquert einige imposante Brücken. Um die südlichste Provinz von Chile per Fahrzeug zu erreichen, muss man in Coihaque auf die argentinische Seite hinüber, wo dann die Ruta 40 wieder weiter südlich führt. Am Zoll habe ich dann eine Stunde gewartet bis die argentinischen Zöllner von der Siesta zurück waren. Vor mir standen vier chilenische Jungs in der Schlange. Sie waren mit einem Pick-up unterwegs und hatten 20 Liter Reservediesel auf der Ladefläche dabei. Der Zöllner meinte daraufhin, es sei zu gefährlich, mit diesen Kanistern die Grenze zu überqueren. So haben sie dann die 20 Liter vor dem Zollhaus in die Wiese geschüttet.

 

In Perito Morena fängt dann das wirkliche Patagonien an. Langweilige Schotterstrassen die durch's absolute Pampa-nichts führen, dazu noch mit starkem Seitenwind. Fast 500 Km ohne eine Tankstelle oder Dorf. Erst in El Chalten ist wieder Leben. Dort um das Fitz-Roy-Massiv gibt es wunderschöne Treckingmöglichkeiten. Und dann natürlich El Calafate. Der Ausgangspunkt für die Besichtigung des weltberühmten Perito Moreno Gletschers. Nächster Halt war Puerto Varas. Der Ausgangspunkt für den Torres del Paine Nationalpark. In der Hospedaje habe ich André, einen Schweizer der mit einer Chilenischen Miet-KTM unterwegs war, kennengelernt. Zusammen haben wir drei Tage den Park bewandert. War schön. Muss allerdings sagen dass wir mit den Schweizer Alpen schon verwöhnt sind. Und da verlangen sie keinen Eintritt.

 

In Punta Arenas musste mein Motorrad zum Doktor. Nicht dass etwas kaputt gegangen wäre. Nach 15.000 Km musste einfach so Manches ersetzt werden. Kettensatz, Tachosaite, Bremsklötze, Reifen. Um 350 $ ärmer, aber wieder mit flottem Töff bin ich nach Feuerland rüber geschifft. In Ushuaia, der südlichsten Stadt der Welt und dem Ende der Strasse hab ich zwei Tage gerastet. Viel gibt's nicht zu sehen. Das Ende ist nicht so spektakulär wie am Nordkapp. Zudem war's mir zu kalt. So bin ich dann schleunigst wieder nach Norden geblocht. Habe in einer Woche 3000 Km gefressen und einen Vollcrossreifen durchgeraspelt. Die Strassen führen End- und kurvenlos in den Horizont. Hier sind sie wenigstens asphaltiert. Erwähnenswert wären vielleicht noch die versteinerten Wälder von Sarmiento die wirklich imposant sind und das nationale Erdölmuseum in Comodoro-Riviera.

 

In Esquel habe ich einige Tage gerastet, um meinen in der Kälte unten eingeholten Pfnüsel auszukurieren. Dort habe ich erfahren dass an diesem Wochenende in Bariloche ein Motorradtreffen stattfindet. Da bin ich natürlich hin gefahren. Dachte, ich könnte mir vielleicht den Preis für die weiteste Anreise einheimsen. Nada. Ein Ire war auch da. Und der ist über Indien und Australien hierher gefahren. Zwei Jahre ist er schon unterwegs. Macht nix. Schön war's trotzdem, mit chilenischen und argentinischen Töffreaks Benzin zu plaudern und Motorengeräusche zu zelebrieren.

 

Von San Martin bin ich dann ziemlich direkt nach Buenos Aires gefahren. Imposant, wenn man auf dem Mofa in so eine Multimilionenstadt einfährt. Dort habe ich es mir natürlich nicht entgehen lassen, ein Fussballmatch der argentinischen Erzrivalen, Bocca Junior gegen River Plate aus der Nähe anzuschauen. In Azul hab ich noch einen Zwischenstop gemacht. Dort gibt es nämlich etwas einmaliges auf der Welt: El posta del viajero en moto . Ein Treffpunkt für Biker. Jorge öffnet allen Motorradreisenden ihr Clublokal zum übernachten. Die Begrüssungsassado (Grillparty) ist selbstverständlich. Dort durfte ich mich natürlich auch im dicken Buch verewigen.

 

Nächste Station war Uruguay. Die Ostküste lädt mit ihren schönen Stränden (endlich mal Badestrand) zum verweilen ein. Da die Mehrzahl der Touristen jedoch Argentinier sind und diese diesen Sommer nicht in die Ferien konnten, herrscht hier momentan ziemlich Flaute. Bei Cui habe ich dann die Grenze nach Brasilien überquert. Ein Land der Superlative, schon wegen seiner Größe. In keinem andern Land Südamerikas prallen Super-reich und Super-arm so augenfällig aufeinander wie hier. Wenn hier doch nur eine andere Sprache gesprochen werden würde. Habe ich doch nach 5 Monaten spanisch selbst bei anspruchsvollen Diskussionen mitreden können, so musste ich hier plötzlich wieder froh sein, wenn ich überhaupt das bekam was ich wollte.

 

Über Curitiba und Santos (Vorstadt von Sao Paulo) bin ich der Küste entlang nach Paraty gefolgt. Ein wunderschönes Kolonialstädtchen mit Beach und touristischer Infrastruktur. So bin ich gleich eine Woche geblieben und hab das Strandleben genossen. Danach habe ich mich ins Stadtleben von Rio de Janeiro gestürzt. Crazy City. Am ersten Abend habe ich eine Schießerei miterlebt, am zweiten Abend haben sie zu Viert versucht mit auszunehmen und am dritten Abend... na lassen wir's. Sind ja schließlich langweilige Alltagsdelikte in Rio de Janeiro. Trotzdem muss man Rio einfach gesehen haben. Die Parkwächter vom Cristo haben mir den Eintritt geschenkt, so erstaunt waren sie über meine DR-Big. Die Sicht von da oben ist einfach grandios.

 

Nach diesem Weekend genoss ich wieder einige Tage in einen Nationalpark zum Ausgleich. Diesmal Ibitipoca MG. Zum Zmorge zwei Stunden Fitnessgang zum atemberaubenden Aussichtspunkt, Mittags ein erfrischendes Bad beim Wasserfall und Abends Vollmondsternenhimmel, garniert mit echtem Wolfsgeheul. Das Wissen, dass es giftige Schlangen, Spinnen und Skorpione um das Zelt herum gab, verlieh dem ganzen noch eine prickelnde Note.

 

Als nächstes fuhr ich nach Riberao-Preto wo mich ein Freund eingeladen hatte. Seine Eltern sind Industriealkoholproduzenten. So hatte ich die Gelegenheit die ganze Fabrikationsanlage zu besichtigen. So erfuhr ich auch, dass brasilianischem Benzin 22% Alkohol beigemischt wird. Teilweise wird es jedoch mit über 30% gepanscht, sodass sogar meine DR-Big ins husten kam.

 

In Londrina lernte ich den Besitzer der Bikers Rock'n Blues Bar kennen. Er war so erfreut über meinen Besuch, dass er beschloss, mich am Sonntag und Montag auf seiner Vulkan-Chopper bis zur argentinischen Grenze zu begleiten. In Iguacu besichtigte ich die imposanten Wasserfälle und überquerte darauf die Grenze nach Paraguay. Gleich danach gibt es das größte Flusskraftwerk der Welt zu besichtigen. Was mit 2 Mrd.$ budgetiert war, verschlang bis Bauende jedoch 10 Mrd. So ist es gleichzeitig auch als korruptestes Bauwerk in die Geschichte eingegangen.

 

Die Korruptheit der paraguayanischen Polizei durfte ich schon 20 Km weiter am eigenen Leib erfahren. Ein Verkehrspolizist wollte mir 120 US$ abknöpfen, weil ich einen stehenden Lastwagen über die Sicherheitslinien überholt hatte. Glücklicherweise sprechen sie hier wieder spanisch, sodass ich ihm erklären konnte, dass ich nur mit Kreditkarte unterwegs sei und sich der nächste Bankomat 300 km entfernt befindet. So gab er sich nach langem hin und her mit meinen letzten 6 $ in Landeswährung zufrieden. In Asuncion, der Hauptstadt von Paraguay war Ende meiner Reise. Ich hatte schon per Email versucht über einen Freund mein Motorrad in Asuncion feil zu bieten. Das Echo war gut, sodass ich zuversichtlich war, mein Motorrad rasch verkaufen zu können. Prompt waren auch sogleich einige Interessenten auf dem Platz, die sich dann aber alle zurückzogen als es um Cash ging. So war ich dann froh, dass ich am zweitletzten Tag vor meiner Abreise die DR-Big, die unterdessen schon über 100.000 km auf dem Tacho zeigte, für 1700 $ in blauen Scheinen verkaufen konnte.

 

 

Der Abflug verzögerte sich dann nochmals, da das Reisebüro mein Flugticket verschlampt hatte. Obwohl ich 4 mal vorbeigegangen war und bereits bezahlt hatte, haben sie mich immer wieder auf "manana" vertröstet. Schlussendlich haben sie mir gesagt mein Ticket sei am Flughafen hinterlegt. Dort wussten sie jedoch von nichts und das Reisebüro war wegen Krankheit geschlossen. Glücklicherweise habe ich dann drei Tage später doch noch ein Billett in die Schweiz ergattern können. Hier kann ich mich von den Strapazen erholen. Die nächste Reise kommt bestimmt.

 

 

copyright by http://www.motorbike-tours.ch

 

 

Unser neues Projekt ist online: Mein Baden-Baden

Datenschutz und Impressum