Im Land der Elwetritsche - Wo Wein und gutes Essen zu Hause sind

Tour durch die Pfalz

Der Elwetritsch, ein mythisches Wesen, genauer ein Kreuzung aus Huhn oder Gans mit den im Wald wohnenden Kobolden und Geistern, kommt in einigen wenigen Regionen Deutschlands, bevorzugt in der Pfalz vor. Der Elwetritsch ist ein scheues Wesen und kann, wenn überhaupt, nur des Nächtens in einsamen Gegenden gesehen werden. Böse einheimische Zungen behaupten, lediglich auswärtige Besucher könnten dem Elwetritsch begegnen, und das auch nur nach dem Genuss von mindestens zwei Rother Piff. Als regelmäßiger auswärtiger Besucher muss ich das von mir weisen, zwei und mehr Rother Piff, über die noch zu sprechen sein wird, haben bei Einheimischen wie Auswärtigen den genau gleichen Erfolg.

 

Dem verantwortungsbewussten Motorradfahrer, der während seiner Fahrten auf Alkohol verzichtet, kann somit der Elwetritsch in der Regel nicht begegnen, es sei denn, er beschließt, in einem der schönen Orte der südlichen Weinstraße einzukehren und zu übernachten, was in dieser wunderbaren Gegend unbedingt zu empfehlen ist.

Landstraße auf dem Weg nach Schweigen-Rechtenbach

Einsam ist es mitunter schon, und das genau macht für mich den Reiz der Region aus. Viele kleine und kleinste Straßen laden zum Bummeln und Entdecken ein, man sollte Zeit und die Bereitschaft mitbringen, den einen oder anderen Abstecher zu wagen. Die hier vorgeschlagene Tour beginnt in Schweigen-Rechtenbach am Deutschen Weintor. Das Deutsche Weintor, 1936 von den Nationalsozialisten erbaut, zeigt zur französischen Seite hin in Richtung Wissembourg, zur deutschen Seite hin in die Pfalz, und war, verziert mit einer überdimensionalen Hakenkreuzfahne, durchaus auch als politische Provokation gegen Frankreich gedacht. Zugleich war es ein Marketingversuch der Nationalsozialisten, denn nach dem Verbot des Weinhandels für Juden waren die Einkünfte der Pfälzer Winzer dramatisch eingebrochen und die Nationalsozialisten erfanden, sozusagen zum Ausgleich, die Deutsche Weinstraße, die hier am Deutschen Weintor beginnt. Wie dem auch sei, sehenswert ist das 18 Meter hohe Tor, das heute nur noch zu Fuß besichtigt werden kann, auf jeden Fall. Besuchenswert ist aber auch der kleine Ortskern von Schweigen-Rechtenbach, ein ganz besonderer Tipp zur Einkehr ist hier das Weingut mit Weinstube Leiling (Adressen am Ende des Artikels). An schönen Tagen im Garten, an schlechteren in der rustikalen Wirtsstube, bekommt man hier hervorragende regionale Küche und die selbst hergestellten Weine.
Überhaupt, die gesamte Pfalz und insbesondere die Südliche Weinstraße sind für Liebhaber guter Weine und hervorragender Küche ein Erlebnis. Viele Winzer verkaufen nicht nur ihre Weine vor Ort, sondern haben im Laufe der letzten Jahre zu gastronomischen Entwicklungen der Pfalz beigetragen, die auch den regelmäßig wiederkehrenden Besucher immer neue Einkehrpunkte entdecken lassen.
Nach der Besichtigung des Deutschen Weintors und des Örtchens Schweigen-Rechrenbach geht es über Bad Bergzabern nach Annweiler am Trifels.

Burg Trifels

Das kleine Örtchen Annweiler am Trifels wurde etwa im 7. oder 8. Jahrhundert gegründet, die erste urkundliche Erwähnung erfolgte 1086. Die bedeutendste Sehenswürdigkeit des kleinen Ortes ist die Burg Trifels, die nur zu Fuß über einen steilen Anstieg erreicht werden kann. Hier wurden von 1125 bis 1298 die Reichskleinodien des Deutschen Kaiserreiches, darunter auch die Reichskrone, aufbewahrt. Gerüchten zufolge wurde Richard Löwenherz in dieser Zeit auf der Burg gefangen gehalten.
Über Bad Bergzabern führt uns die weitere Route in die kreisfreie Stadt Landau, zugleich Verwaltungssitz des Landkreises Südliche Weinstraße. Wer an einem Samstag Vormittag nach Landau kommt, sollte keinesfalls des Markt in der Innenstadt verpassen, für mich einer der schönsten Märkte der Region.

Markt in Landau

 

Gegründet wurde Landau 1260 von Graf Emich IV, Stadtrechte erhielt Landau 1274. Die Geschichte Landaus ist wechselhaft, ab 1680 gehörte Landau zu Frankreich und wurde bis 1691 zur Festung ausgebaut. In diversen Auseinandersetzungen zwischen Frankreich und dem Deutschen Kaiserreich wechselte Landau gleich mehrfach den Besitzer. Nach der französischen Revolution blieb Landau französisch und kam erst 1815 unter österreichische Hoheit. Die besondere Stellung als Festungs- und Militärstadt blieb während der gesamten Zeit erhalten und prägt das Stadtbild Landaus auch heute noch. 1816 schließlich wurden Landau und die Pfalz von Österreich dem Königreich Bayern übereignet. Unter der bayrischen Regentschaft wurden die Kasernenanlagen Landaus noch weiter ausgebaut und Teile der bayrischen Truppen wurden in Landau stationiert.

 Ehemalige Kasernenanlagen in Landau

Sehenswert ist insbesondere das Frank-Löbsche Haus, das 1870 von Zaccharias Frank, einem Urgroßvater Anne Franks erworben wurde.

Blick in den Innenhof des Frank-Löbschen Hauses.

 Heute wird das Frank-Löbsche Haus als Kulturstätte und Museum durch die Stadt genutzt, im Innenhof befindet sich ein Restaurant.

Weiter führt uns unsere Pfälzer Tour nach Rhodt unter Rietburg, einem kleinen, malerischen Ort, wenige Kilometer von Landau entfernt. Besiedelt wurde Rhodt vermutlich schon in der Zeit der römischen Herrschaft vor dem 4. Jahrhundert, seine Blütezeit erlebte Rhodt, als 1603 der Markgraf von Baden den Ort erwarb. Der Handel der Rhodter mit Baden führte zu einigem Reichtum und so entstanden große, prächtige Winzerhäuser. 1816 ging Rhodt, wie die gesamte Pfalz an das Königreich Bayern. 1852 bezog König Ludwig die Villa Ludwigshöhe, das Königspaar verbrachte jeden zweiten Sommer im pfälzischen Schatzkästlein. Seine Frau Therese fuhr regelmäßig mit der Kutsche in die protestantische Kirche in Rhodt, nach ihr ist auch heute noch die Theresienstraße in Rhodt benannt.

Rhodt unter Rietburg, Theresienstraße

Rhodt selbst ist heute durchaus ein touristischer Anziehungspunkt, neben dem unvergleichlichen Pfälzer Flair bietet Rhodt heute einige Weinstuben und Restaurants, die den Besuch überaus lohnen. Eines der empfehlenswerten Restaurants ist das Weingut und Restaurant Fleischmann-Krieger.

Blick in die Gaststube des Weinguts/Restaurants Fleischmann-Krieger

Zwei Sehenswürdigkeiten sollten sich die Rhodtbesucher nicht entgehen lassen, nur wenige Kilometer von Rhodt entfernt liegt die Villa Ludwigshöhe, der Sommersitz des bayrischen Königs Ludwig. Der Blick von der Ludwigshöhe auf die Landschaft ist wirklich atemberaubend.
Lohnenswert ist auch ein Ausflug mit der Seilbahn auf die Burg Rietburg, bei schönem Wetter kann man hier bis weit in die Rheinebene sehen.

Blick von der Rietburg

Hier von Rhodt stammt auch der berühmte Rhodter Piff, ein vom Gastwirt Ferdinand Seitz erfundenes 1-Liter-Glas für den Weinausschank. Nun ist der Piff in der Pfalz normalerweise ein Glas mit 1/8 Liter Inhalt. Die feinen Damen der Gesellschaft aus Landau tranken im damals für Speisen und Weine berühmten Gasthaus „Adler“ des Ferdinand Seitz gerne auch mal einen Piff mehr, so bis zu acht Gläser, wird überliefert. Der pfiffige Ferdinand Seitz rechnete die Alkoholmenge aus und kredenzte von da an den feinen Damen den Rhodter Piff gleich im Ein-Liter-Glas mit der Bemerkung, „egal, was ihr in Landau unter einem Piff versteht, bei uns in Rhodt ist das ein Piff.“
(Zitat nach der Homepage der Gemeinde Rhodt unter http://www.rhodt.de)

Von Rhodt aus fahren wir nur wenige Kilometer zu einer historisch bedeutenden Sehenswürdigkeit, dem Hambacher Schloss. Leider war bei meinem letzten Besuch das historische Museum gerade geschlossen, aber diesen Besuch werde ich sicher nachholen.
Berühmt wurde das Hambacher Schloss durch die viertägige Protestveranstaltung des Hambacher Festes von 1832, einem großen Protest der frühen deutschen Demokratiebewegung an der über 30.000 Personen teilnahmen. Auch wenn diese frühe Demokratiebewegung blutig bekämpft und niedergeschlagen wurde, so kann doch ihre Bedeutung für die deutsche Geschichte nicht hoch genug eingeschätzt werden.

Vom Hambacher Schloss aus fahren wir weiter Richtung Neustadt an der Weinstraße. Die ältesten Spuren der Besiedelung weisen auf die Kelten hin, am 6.4.1275 erhielt der Ort Neustadt Stadtrechte. Sehenswert in Neustadt ist insbesondere die historische Altstadt mit Rathaus und der Stiftskirche. Hier in Neustadt findet sich auch der Elwetritschenbrunnen, der steingewordene Beleg, für die Existenz des Elwetritsch.

Blick auf den Neustädter Markt mit der Stiftskirche

Nach dem Besuch des Neustädter Marktes geht es weiter zur Gemeinde Deidesheim, einem der Ortsteile von Neustadt. In den 80er und 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts wurde Deidesheim vor allem durch den Bundeskanzler a.D. Helmut Kohl bekannt, der mehr als einmal ausländische Gäste in den berühmten Deidesheimer Hof entführte. Hier gelangte der Pfälzer Saumagen zu weltweiter Anerkennung. Aber auch der Rest von Deidesheim selbst ist sehenswert, hier lohnt der Stopp durchaus.

So langsam wird es Zeit an die Rückkehr zu denken, nicht ohne einen Abstecher in einem meiner Lieblingsweingüter und -restaurants, Bauers Stuben in Venningen zu wagen. Längst kein Geheimtipp mehr, hat sich Bauers Stuben zu einem der beliebtesten Ziele in der Region entwickelt. Im Sommer genießt man den Wein und die wirklich ausgesprochen gute, regionale Küche in einem wunderbar angelegten Garten.

Blick in den Hof von Bauers Stuben

 Venningens Umgebung lädt, sofern die Zeit es zulässt, gerne zu ausführlichen Spaziergängen durch die wunderbare Pfälzer Landschaft ein.

Von Venningen aus führt uns die Route zum Endpunkt des Tages, Herxheim. Das Gebiet von Herxheim war aufgrund des milden Klimas bereits in der Steinzeit besiedelt. Sehenswert in Herxheim sind vor allem der jüdische Friedhof, der ein gutes Zeugnis von der einstmaligen Lebendigkeit jüdischen Lebens in der Pfalz gibt, der Tabakschuppen (neben Wein wurde und wird in Herxheim auch Tabak angebaut) sowie die Villa Wieser.

Wir sind am Ende unserer Route angelangt, über 140 Kilometer und knapp drei Stunden reine Fahrzeit liegen hinter uns. An einem Tag diese Route zu fahren ist möglich, geht aber zu Lasten von Besichtigungen und der Einkehr in die wirklich des Besuches werten Pfälzer Weinstuben und Gasthäuser.



Adressen zur Einkehr:
Die hier vorgestellten Weingüter, Weinstuben und Restaurants wurden allesamt persönlich getestet. Ich kann jede Adresse ruhigen Gewissens empfehlen. Die Reihenfolge entspricht dem Tourenvorschlag und stellt keine Bewertung dar, empfehlenswert sind alle drei Locations.

Weingut und Weinstube Leiling
Hauptstraße 3
76889 Schweigen

Telefon (06342) 7039
http://www.weingutleiling.de



Weingut und Vinorant Fleischmann-Krieger
Theresienstraße 22
76835 Rhodt

Telefon (06323) 81372
http://www.fleischmann-krieger.de




Weingut und Restaurant Bauers Stuben
Gutshof Bauer´s Stuben
Altdorfer Straße 3
67482 Venningen / Pfalz

Telefon (06323) 2734
http://www.gutshof-bauer.de

 

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