Mit einer HD E-Glide unter Wölfen, Bisons und Geiern.

 

 Ein Bericht von Manfred Berwanger

Am 22. September 1878 durchquerte ein junger Schotte in 12 Tagen die Cevennen (Cévennes) von Le Monastier im Norden, bis Sankt Jean du Gard im Süden. Dabei legte er zu Fuß mit seinem Esel „Modestine“ 220 km zurück.

Sein Name: Robert Louis Stevenson, Schriftsteller, sein Motiv : Abenteuerlust, Reisebeschreibungen.

Diese Reise, eine von vielen, hat diesen Schotten berühmt gemacht.

Vom 23. Juli 2003 bis 4. August 2003 erforschte ein älterer Herr mit seiner Harley Davidson „E-Glide “ , ein Geschenk zu seinem 60ten Geburtstag, die Cevennen und legte dabei in 12 Tagen 3640 km zurück. Der ältere Herr ist noch nicht berühmt, aber bei ihm war es auch Abenteuerlust und der Versuch herauszufinden, ob eine Harley wirklich nur da ist, um gerade aus zu fahren.

Aber warum gerade die Cevennen?

Spätestens wenn man mit dem Autoreisezug der Deutschen Bahn in Avignon ankommt, wissen die meisten mitfahrenden Biker, wo die Cevennen beginnen, etwa 150 km nördlich von Montpelier.

Die Cevennen, das sind neben steinigen, ausgedörrten Hochplateaus die „Causses“, mächtige Granitkuppeln, zerklüftete Schiefergebirge, und die "Gorges" die sogenannten Schluchten, in die sich die Flüsse Tarn und Jonte tief eingegraben haben.

Einer der Urenkel von Modestine

Eine Route 66 gibt es noch nicht einmal ansatzweise in diesen hügeligen Ausläufern der Auvergne mit den Regionen Velay, Margeride, Gédaudan, Aubrac, und Lozère. Mein Ziel ist der Ort le Bleymard im Parc National des Cévennes. Aber alles der Reihe nach.

Als ich Avignon auf der N100 Richtung Remoulins verlasse, rieche ich den Süden, sehe die ersten Sonnenblumenfelder, der Duft von Lavendel steigt mir in die Nase. Am Rande einer kleinen Ortschaft, inmitten eines Olivenhaines halte ich an und atme den Zauber dieser Landschaft ein, spüre die sommerliche Hitze und höre den Chor der Zikaden - das entspannte „Laisser-vivre“ kann beginnen, zumindest für 3 Wochen.  

 Bevor ich auf der D 981 weiter nach Alés fahre, mache ich einen Abstecher zu dem berühmten, römischen Viadukt Pont du Gard

Der Pont du Gard ist eines der prachtvollsten und besterhaltensten römischen Baudenkmäler, an dem einer Überlieferung zufolge, 1000 Menschen über drei Jahre lang gearbeitet haben. Eine Besichtigung sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen, vor allem weil man sich an heißen Tagen wunderbar im Gardon abkühlen kann.

Nach einem halbstündigen Bad verlasse ich den Pont du Gard und fahre über Uzès nach Alés. In Uzès gibt es einen wichtigen Grund, eine Pause einzulegen. Ein Besuch im „Musee du Bonbon Haribo“ gehört zum Pflichtprogramm aller Gummibären-Freunde, getreu dem Motto: "Haribo macht Kinder froh und die Biker ebenso". Auf drei Etagen dreht sich alles um Bonbons und die bunten Gummitiere, die man selbstverständlich auch probieren und kaufen kann. Wer sich wundert, warum sich das Museum nicht am Stammsitz in Bonn befindet, dem sei gesagt, dass Haribo schon seit Anfang der siebziger Jahre eine Fabrik in Uzès betreibt, die inzwischen mehr als 300 Mitarbeiter zählt.

Der Grund ist eigentlich einleuchtend, für Haribo Konfekt benötigt man Lakritz, diesen wiederum gewinnt man aus dem Saft der Süßwurzel, und die wird in großen Mengen im Umland von Uzès angebaut.

In Alés meldet sich der Magen, es wird Zeit lebenserhaltende Maßnahmen einzuleiten. Hat man sich erst einmal mit einer HD zur Altstadt durch gekämpft, ist man gefangen genommen von dem Kleinstadtflair.

In der Fußgängerzone an der Cathédrale Saint-Jean trinke ich einen Kaffee, esse einen Sandwich und genieße die Ruhe in der Sonne. Da Alés nicht im Gebirge liegt, beginnt die D106 kurvenreich und ansteigend.. Ich bin überrascht wie leicht mein 7 Zentnerkoloss in die Kurve geht, der dritte Gang und halbes Gas genügt um die Maschine aus der Kurve zu ziehen und wieder aufzurichten. Die 120 km bis Mende „schaffe“ ich fast in 3 Stunden. Die E-Glide ist kein Kurvenfresser, also bleibt man lieber auf der passiven Seite, das Leben mit gemäßigtem Tempo auf sich zukommen lassen, lässig im Polster lümmelnd den gebotenen Sitz- sowie Federungskomfort genießen und: Kurven nicht einfach so nehmen, sondern zelebrieren - mit der Besonnenheit, die ein 350 Kilogramm schwerer Klassiker in Anspruch nehmen kann. 

Die N106 führt geradewegs nach Mende, der Hauptstadt des am dünnsten besiedelten französischen Departements Lozère (78 000 Einwohner), die Stadt selbst, aus einer römischen Siedlung im 3. Jh. entstanden, hat ca. 11 000 Einwohner. Die Altstadt, mit ihren schmalen, gewundenen Gassen ist mit alten Häusern gesäumt, an denen mal eine schöne Holztür, mal ein Portal oder eine Hauskapelle sehenswert ist. Um die beeindruckende Kathedrale, aus dem 14. Jh., findet am letzten Juliwochenende ein Antiquitätenmarkt statt.

Ich verlasse Mende auf der N 88 Richtung Langogne und hätte beinahe die Abfahrt nach le Bleymard verpasst. Die Verkehrsplaner sind sonst so vorbildlich in Frankreich, aber der Hinweis auf die Strassen-Nummer würde vieles erleichtern. So biege ich also nach rechts auf die D901 Richtung Le Bleymard ab.

Nach 28 Kilometern stehe ich am Ortseingang von Saint Jean du Bleymard und sehe das beschriebene Hinweisschild „Chambres et tables d’hotes“ La Combette.

Als ich die E-Glide auf dem hauseigenen Parkplatz abstellen will, fordert mich eine männliche Stimme, mit eindeutigen holländischen Akzent auf, das Motorrad doch in der Garage einzustellen. Das lasse ich mir nicht zweimal sagen, hatte doch die HUK meine HD nur für die Dauer meiner Reise im Rahmen der Teilkasko versichert und das auch noch total überteuert.

Hausbesitzer Felix begrüßt mich sehr herzlich und hat bereits ein kaltes Bier bereitgestellt. Ein aufmerksamer Gastgeber, für den ich sofort Sympathie empfinde.

Diese überträg sich umgehend auf den Jagdhund Duc, der mit einem Ball im Maul zum Spielen auffordert.

Anita und Felix sind sehr umsichtige, freundliche und aufmerksame Gastgeber. Die Entscheidung La Combette als Stützpunkt für meine Tagesfahrten zu nutzen, stellt sich als goldrichtig heraus, denn Anita und Felix sind hervorragende Köche, beide waren über dreißig Jahre in Afrika. Felix ist Agraringenieur und Anita hat eine Ausbildung als Krankenschwester, was soll mir da noch passieren?!

Das Haus „La Combette“ blieb für 12 Tage der Hort interessanter Gespräche in Deutsch, Französisch und Englisch, Holländisch konnte ich in der kurzen Zeit nicht lernen. Ich lernte afrikanische Musik kennen, ließ den Rhythmus in mich eindringen und spürte bei einem Glas Rotwein oder einem Glas Bier den Schwingungen nach. Während ich diesen Artikel schreibe, höre ich im Hintergrund Malaika, ein Gospel aus Ostafrika.

Nach der ersten Nacht in La Combette gibt es ein Frückstück mit frischem, selbstgemachtem Yoghurt, Müsli , Eier von eigenen Hühnern, frisches Obst und selbst gebackenes Brot. Anita und Felix essen gesundheitsbewusst und lassen ihre Gäste daran teilhaben. Da ich Halbpension gebucht habe, erwartete man mich spätestens um 18:30 Uhr zum Abendessen. Dieses warme Abendessen hat es in sich, es ist wohlschmeckend und sehr abwechselungsreich, dazu gibt es je nach Wunsch Wasser, Bier oder Wein.

Mit meiner ersten Tour will ich erst einmal dieses Gebirgsdorf Le Bleymard, mit den charakteristischen, schiefergedeckten Bauernhäuser der Cevennen kennen lernen.

Der erste Besuch gilt der Kirche und dem Friedhof, denn hier erfährt man viel über Namen, Familien und das Alter der Verstorbenen. Nachdem die erste Neugier befriedigt ist, geht es weiter. Der Ort zieht sich entlag der D 20 Richtung Pont de Montvert, die Strasse steigt schnell an und führt nicht wie ich vermute zum Mont Lozère, sondern über den 1541 hohen Col de Finiels. Im Sommer ist es hier oben ideal zum Wandern, denn während in den Tälern die Hitze steht, frischt hier ein permanenter Wind auf.

In weiser Voraussicht habe ich Jeans und hohe Schuhe gewählt. So fällt es mir nicht schwer, den Fußweg zur Bergspitze zu nehmen. Dennoch dauert es gut eine Stunde, bis ich den Gipfel „Sommet de Finiels“ in 1699 Metern Höhe erreicht habe – außer Atem. - Man müsste mal wieder Sport treiben. -

Bei klarem Wetter kann man von hier aus bis zum Mittelmeer sehen, aber auch jetzt bei der Bewölkung ist es ein herrlicher Panoramablick. In der kalten Jahreszeit verwandelt sich der Gipfel in ein lebhaftes Wintersportzentrum mit Liftbetrieb und einem großen Loipennetz . Hier oben bekommt man eine leise Ahnung, was Winter in den Cevennen bedeutet - Windböen in Orkanstärken.

Als ich wieder im Sattel der E-Glide sitze und talwärts fahre, genieße ich die Serpentinen, den Duft von Kräutern und die spürbar wärmer werdende Luft. Das 300 Seelen - Dorf Le Pont de Montvert zieht sich wie ein Amphiteater am Südhang des Mont Lozère hinauf. Eine filigrane Brücke überspannt den Tarn, der am Mont Lozère in 1575 Metern entspringt und als reißender Gebirgsbach zu Tal strömt. Während der Tarn Richtung Florac fließt, nehme ich die Strasse nach Génolhac, von dort aus fahre ich an der westlichen Grenze vom Parc National des Chevennes weiter auf der D315 nach Villefort. Felix sagte mir, ich solle unbedingt Badehose und Handtuch mitnehmen, es war ein verdammt guter Tipp.

Der Stausee erweist sich als ein beliebtes Terrain zum Baden und zum Sonnen. Viele Einheimische und Feriengäste verbringen an den Ufern des Sees ihre Urlaubstage. An den Steilhängen, immerhin mussten mehrere Seitentäler beim Stauen geflutet werden, haben sich Angler Treppen in den Fels geschlagen und können in Ruhe auf Plattformen angeln.

Gegen 17 Uhr packe ich meine Badesachen und freue mich auf das Cruisen in diesem hügeligen Gelände, wo die Kurven dem Getriebe keine Ruhe gönnen und die Ballonreifen auch an den Profilrändern gefordert werden.

Mit Frankreich assoziiert man auch Musketiere, Landadel, Comte, Monarchie und so war ich auch nicht verwundert, plötzlich ein massives Renaissanceschlösschen mit drei markanten Rundtürmchen im Wald zu sehen.

Wie mir Felix sagte, handelt es sich dabei um das Château de Castanet, das auch bewohnt ist.

Der erste Tag in den Cevennen ging mit einem wohligen Glücksgefühl zu Ende, Straßenkurven satt, Sonne fast schon zuviel, unbeschreiblich viele Eindrücke, Gerüche und Sehenswürdigkeiten, ein exzellentes Abendessen auf der Terrasse und gute Gespräche.

Es würde den Umfang dieses Reiseberichtes sprengen, wollte ich jede Tagestour bis ins letzte Detail schildern.

Mit den nachfolgenden, stark verkürzten Tourenbeschreibungen, möchte ich interessierten Bikern Lust auf die Cevennen machen, nicht nur weil es ein Genuss ist, diese kurvige Landschaft zu befahren, sondern auch auf die Historie und die Schönheiten dieser Region hinzuweisen.

Immer wenn ich Le Bleymard in östlicher Richtung verlasse, sehe ich nach wenigen Kilometern das Château du Tournell, ein Burgschloss das den Warenverkehr von Mende nach Villenfort überwachte.

Ich bin auf dem Weg zu den Wölfen.

 Der 1985 eröffnete Wolfspark liegt rund zehn Kilometer nördlich von Marvejols, N 108 à D2. In einem bewaldeten Reservat von mehreren Hektar, nahe der Ortschaft Sainte Lucie. werden über hundert Wölfe aus Kanada, Sibirien, der Mongolei und Polen in getrennten Gehegen gehalten.

Wer die Wölfe des Gévaudan friedlich in ihren Gehegen liegen sieht, ahnt nicht, welchen Schrecken die Tiere noch im 18. Jahrhundert verbreitet haben. Saugues auf der Hochebene des Margeride - die Stadt mit der Region, die durch "die Bestie von Gévaudan" grausam heimgesucht wurde.

Von 1764 bis 1767, so wird hier erzählt, hat angeblich ein Wolf sechs Männer, 25 Frauen und 68 Kinder getötet. Seltsamerweise wurde in den drei Jahren kein einziges Schaf von einem Wolf gerissen, weswegen spekuliert werden darf, ob nicht vielleicht ein Psychopath am Werk gewesen war.

Biker nehmen ja für sich in Anspruch, nur der Freiheit wegen, Motorrad zu fahren, andere geben an die Freiheit genießen zu wollen und nicht selten bezeichnen sich manche sogar als einsame Wölfe.

Ich wünsche mir, ein paar „einsame„ Wölfe könnten die Art der Haltung dieser sensiblen Tiere erleben, wo tagtäglich hunderte von Menschen in diesen Park strömen, und die richtigen Wölfe noch nicht einmal die Freiheit haben, sich zurück zu ziehen, geschweige denn einsam sein zu dürfen.

Sie wurden ihrer Freiheit beraubt.

Bei Felix im Haus gibt es natürlich eine Menge Prospekte und Info-Material über Sehenswürdigkeiten

in den Regionen. Der Aubrac wirbt mit einem Plakat auf dem ein Granitkreuz am Rande eines Sees zu sehen ist. Zu dieser Zeit habe ich schon eine Fotoausstellung mit den Themen Wege und Kreuze geplant, was liegt also näher von diesem Kreuz eine authentische Aufnahme zu machen. Leider kann mir Felix keine Angaben machen, wo das Plakatfoto entstanden ist. Mein fotografischer Jagdtrieb ist somit geweckt.

Diesmal fahre ich von Mende die N85, weiter auf der D 56, den ersten See den ich mir näher anschaue liegt am Col de Bonnecombe – Fehlanzeige. Der nächste ist der Lac de Born, auch hier finde ich kein Kreuz, aber einen freundlichen Bauern, der mich fragt ob ich mich verfahren hätte.

Zu dem dritten See führt nur eine schlecht ausgebauter Feldweg, für ein Auto kein Problem, für die E-Glide eine Tortur. Auf der Karte ist der See mit Lac de Saint Andéol eingetragen, der Weg führt direkt daran vorbei.

Und dann sehe ich das Kreuz, noch bevor ich das Wasser sehe. Ein atemberaubender Anblick. Das Kreuz am See de Saint Andéol wird für das Werbeplakat der Region Aubrac verwendet!

Direkt neben dem See steht ein riesiger Bauernhof, der zum Verkauf steht. In Gedanken mache ich daraus ein Restaurant mit einer Herberge für Biker. Träume – aber schön. Lohnend ist ein Abstecher zum Aubrac, einem  vulkanischen Hochplateau, mit kahlen Kuppen, das sich wenige Kilometer westlich von Marvejols erhebt und größtenteils als Rinder- und Schafweide genutzt wird.

Die Sennhütten sind steinerne Zeugen dieser Weidewirtschaft. Ende Mai beginnt der traditionelle Viehauftrieb mit der Fềte de la Transhumance, wobei die Kühe mit Blumengebinden geschmückt sind.

Mit nur acht Menschen pro Quadratkilometer ist der Aubrac so gut wie unbewohnt. Da der größte Teil des Plateaus zwischen 1300 und 1400 Metern hoch gelegen ist, muß man sich auf frostige Temperaturen einstellen, dafür kann man aber im Winter unbegrenzt Langlaufen.

Obwohl Mönche anfingen den Boden zu kultivieren und Hänge mit mühsam aufgeschichteten Steinen (Bancèls) zu terassieren, war das Leben in den Cevennen entbehrungsreich . Erst durch die Anpflanzung von Esskastanienbäumen im Spätmittelalter, war Nahrung in ausreichendem Maße vorhanden. Doch diese einseitige Ernährung brachte gravierende gesundheitliche Schäden mit sich, scheinbar hat das aber jede Zeit, denn ein Burger oder ein Wopper ist auch nicht gerade gesundheitsfördernd. Die Cevennen blieben lange ein „Land ohne Brot“.

Obwohl dieses karge Land für Kühe nicht geeignet ist, haben die Subventionen der Europäischen Gemeinschaft bewirkt, dass jetzt Kühe auf den ehemaligen Schafweiden sind.

Felix fragt mich, ob ich gerne Fisch esse, sehr gerne sage ich, ohne zu ahnen was dieser Holländer im Schilde führt. Er kommt aus seiner Garage, drückt mir ein Plastikgefäß und eine Reiseangel in die Hand und meint lachend, wenn ich etwas fange können wir heute Abend Fisch essen. Eigentlich wollte ich zum Baden an den Lac de Charpal, ein ca. 4 Quadratkilometer großes Gewässer, aber gut, vielleicht fange ich etwas und kann diesem Schlitzohr zeigen, dass ich auch angeln kann. Von Mende nehme ich die N 106 Richtung Rieutort de Randon. Ich schraube mich mit der HD hoch bis auf 1300 Meter und bin nach 30 Kilometer in Rieutort de Randon. Nach dem Hinweisschild zum See sind noch 10 Kilometer auf der D 1 zu fahren, allerdings ist damit nach etwa 3 Kilometern Schluss. Eine Autoschlange hängt hinter einem Traktor mit Hänger, vollbeladen mit riesigen Strohrollen. Überholen mit dem Auto unmöglich, da der Traktor schon wieder von der nächsten Kurve verschluckt wird, aber ich habe ja kein Auto sondern ein wendiges Mopett. Nach 4 Überholmanövern habe ich dann wieder freie Fahrt und zuckele genüsslich mit 70 durch den warmen Samstagvormittag. Ich verlasse die D 1 und fahre über eine schmale, aber neue Asphaltstrasse durch eine Kiefernhain. Der Schatten tut gut, eine angenehme Kühle und der Geruch nach Harz lassen mich tief durchatmen. Das Ende des Wäldchens kommt plötzlich und unerwartet hinter einer Kurve, grelles Sonnenlicht blendet mich, ich muß vom Gas und bremse stark ab, als ich wieder sehen kann, sehe ich nur blau, soweit das Auge reicht – blaues Wasser .  

 Nachdem ich mich satt gesehen habe, bemerke ich erst die vielen Pkw und die Menschen am Rande des Sees, das Toben der Kinder und hin und wieder das Bellen eines Hundes, es ist ja Wochenende. Vor einem Großen Parkplatz gabelt sich die Strasse und ich wähle die Südwestliche Richtung, in der Hoffnung ein ruhiges Plätzchen zum Baden und zum Angeln zu finden.

Das ist natürlich leichter gesagt als getan, der Boden ist trocken und steinhart, wie soll ich da an einen Wurm kommen, den ich als Köder verwenden kann. In meiner Not versuche ich es mit Baguette und mit Räucherwurst, kein Biss. Nach einer Stunde ist mir klar, dass das Fischessen ausfällt. Seltsamerweise belastet mich das aber nicht, ich habe eher das Gefühl, da will mich jemand foppen. Ich schwimme noch eine Runde und mache mich dann über die mitgebrachten Tomaten, Käse, Baguette und Pfirsiche her. Nach einem Nickerchen im Schatten einer Kiefer, setze ich meine Fahrt fort.

Unterwegs entdecke ich Dutzende von Bienenstöcken, die Bienen sammeln den Nektar der Kastanienblüten und tragen damit zu einem lukrativen Nebenerwerb bei. Kastanienblütenhonig ist sehr schmackhaft.

Nach 8 Kilometern komme ich in Châteauneuf de Randon, einem mittelalterlichen Städtchen mit einem herrlichen Panoramablick auf die Hochebene Margeride. Dieser Lufterholungsort hat rund um den Marktplatz alle Häuser renoviert und damit einen wunderschönen Rahmen zum verweilen geschaffen.

Nachdem ich den Ort, der mir sehr gut gefällt, ein wenig inspiziert habe, kaufe ich mir eine neue Flasche Wasser und fahre über die D3 Richtung St. Amans.

Neben der Erholung, sind Fotografieren und Motorradfahren die wichtigsten Beschäftigungen in diesem Urlaub. Deshalb bin ich auch allein gefahren, so kann ich anhalten wo ich will und fotografieren was ich will.

Bei dem nächsten Halt hätte mich eine Mitfahrerin fragen können, hast du noch nie ein Pferd gesehen, doch, aber nicht eines in den Cevennen, es war ein massiger Kaltblüter mit seiner Familie. Manchmal ist es unheimlich auf den „Causses“, tagelang sieht man keinen Menschen, und doch begegnen einem überall die Spuren ihres Tuns, Zäune, kleine Steinhütten, Ansammlungen von Strohballen, manchmal stehen sogar Milchkannen an der Strasse.

Granitblöcke säumen die engen Strassen, mal ein Granit-Po, mal ein Küken hin und wieder auch eine Behausung.

 Ich habe es nicht herausfinden können, warum ein Bergpass den Namen Col de Cheval Mort trägt. Es gibt viele Szenarien die möglich sind, es kann sich ebenso um ein Verbrechen handeln, wie um eine Naturkatastrophe in Form einer Schneeverwehung oder eines Temperatursturzes. Ich glaube eher an das Letztere, dass die Pferde in der eisigen Kälte, die in dieser Region plötzlich eintreten kann, verendet sind. Bei meinem nächsten Besuch in den Cevennen werde ich es wissen.

Die gleichen oder ähnliche Überlegungen kann man anstellen, wenn man den Pass der drei Schwestern erklären will, der übrigens auch in einer Höhe liegt, in der man sich im Winter besser nicht aufhält.

In St. Amans nehme ich die N106 in südlicher Richtung und fahre gemütlich nach Mende. Es ist kurz nach 17:00 Uhr als die Idee mich wie Blitz trifft, ich gebe Gas und suche in Mende ein Fischgeschäft, es gibt zwei. Im ersten sind nur noch Reste von Thunfisch, Kabeljau und Katfisch, im zweiten kann ich vier frische Forellen, direkt aus dem Becken erstehen, Felix wird Augen machen.

Kurz nach 18:00 Uhr biege ich in die Einfahrt, stelle das Motorrad ab und rieche – Fisch, Zweifel beschleichen mich, ob ich wirklich welche fangen sollte, oder ob das nur ein Ablenkungsmanöver mit der Angel von Felix war. Ohne mir etwas anmerken zu lassen, gehe ich Richtung Küche, drücke Anita den Plastikbehälter in die Hand und sage, „wir können heute Abend Forelle essen, ich habe vier Stück gefangen“. Die Blicke der beiden sprechen Bände, dann platzte Felix heraus „Ich habe nicht damit gerechnet, dass Du etwas fängst und auch noch Forellen, soviel ich weiß gibt es in diesem See gar keine Forellen“. Zu später Stunde, nach einem opulenten Mal von Rotbarbenfilets mit Roma-Tomaten und der vierten Flasche Wein habe ich dann gestanden.

Es war bereits Sonntagmorgen, als ich unsicheren Schrittes mein Zimmer aufsuche, die erste Runde habe ich dann im Sitzen geschlafen, es wäre schade um das Barbenfilet gewesen.

Das Frühstück am Sonntag ist etwas später, ich will sowieso einen Lesetag einlegen, dann fällt mir ein Flyer über ein Bisonreservat in die Hände: „Reserve des Bisons d’Europe“. Das will ich unbedingt sehen, Bei der Abfahrt ist das Wetter durchwachsen, ich brauchte nicht zu befürchten in der Sonne zu braten. Ein Blick auf die Karte sagt mir, dass ich etwa 90 Kilometer Anfahrtsweg haben werde, also etwa 2 Stunden Fahrzeit. In Mende nehme ich wieder die N 106 bis Serverette, weiter auf der D4, die in La Roche in die D7 mündet. In Saint Eulalie sind die Hinweisschilder nicht mehr zu übersehen.

Die Höhlenzeichnung vor ca. 32000 Jahren Auf 200 Hektar werden etwa 100 Bisons gehalten und gezüchtet. Die Grundlage für die Ansiedlung von Bisons in der Margeride hat der ehemalige Präsident von Polen, Lech Walesa gelegt. Er verschenkte die Tiere an die Französischen Regierung. In einem „La Maison du Bison“ wird die historische Geschichte der Bisons in Europa ebenso behandelt, wie die Höhlenzeichnungen in der „ Grotte Chauvet“ über dem Ardèche-Tal.

Auf einem Pferdewagen fährt man durch das Reservat und kann diese riesigen Tiere bewundern.

 Nach dem Besuch im Bisonreservat gelangt man über die A75 sehr schnell an die Truyére, ein Fluss, der hier heute künstlich aufgestaut wird. Doch 1881 bis 1884 hielt sich hier eine berühmte Person auf: Gustave Eiffel lief bei der bahntechnischen Erschließung der Auvergne zur Höchstform auf und erbaute für 3,38 Millionen Francs und unter Einsatz von mehr als 3.200 Tonnen Eisen, Stahl, Blei und Gußeisen den Viaduct von Garabit, den "horizontalen Eiffelturm". Auf diesem Bau beruhte übrigens seine Idee des Eiffelturm (erbaut 1887 bis 1889) für die Weltausstellung in Paris . Wenige Kilometer weiter nördlich gelangt man nach St. Flour, eine Stadt auf dem Basaltplateau und Geburtsstadt des früheren französischen Staatspräsidenten Georges Pompidou. Da es schon spät ist, umfahre ich die Stadt und trete die Rückfahrt an.

Eine der nächsten Touren führt mich in die Wasserstadt „Fleur des Eaux“ Florac. Felix sagt zwar Regen voraus, aber ich fahre trotzdem. Wie immer nehme ich die Strecke über Mende, um mich mit Baguette, Wurst oder Käse, Tomaten, Obst und Wasser einzudecken. Das ist übrigens einer der schönsten Momente im Tagesablauf, das Finden einer gemütlichen Stelle, wo ich mit Genuß essen und die Natur pur genießen kann.

Ich fahre Richtung Villefort, nehme aber für die Weiterfahrt nicht die Départementstrasse D906, sondern biege auf die D66. In Prè de la Dame, ein Hof mit 3 Häusern biege ich rechts ab, ich will zu der Stelle wo der Tarn aus dem Felsen kommt. In der Hälfte des Weges überquere ich den Gourdouze, dessen Quelle auch hier in der Nähe ist. An einem Parkplatz geht es nur noch zu Fuß weiter, nach etwa 300 Metern führt eine Treppe nach unten. Während man die unterschiedlichen Stufenhöhen aus Balken und Steinen mit höchster Konzentration

hinter sich bringt, hört man bereits ein Rauschen; und dann steht man plötzlich vor ihm - dem Tarn.

In einer Cascade kommt er aus dem Berg und verschwindet nach 50 Metern im Fels Richtung Florac, wohin ich auch will. Auf der D362 fahre ich weiter Richtung Génolhac um dann auf der D998 über le Pont de Montvert nach Florac zu gelangen. Zwischenzeitlich lässt sich die Sonne wieder blicken, es ist schwül, ein Gewitter liegt in der Luft.

Florac wird gerne als das Tor zu den Causses bezeichnet, nicht zu Unrecht, denn die fünftgrößte Stadt des Départements Lozère liegt in unmittelbarer Nähe des Mont Lozère und des Gorges du Tarn. Kurz hinter Florac münden Tarnon und Mimente in den Tarn. Alle drei Flüsse bieten an vielen Stellen die Gelegenheit, für ein kühles Bad. Florac hat nur knapp 2000 Einwohner und lebt vor allem vom Tourismus, Naturliebhaber kommen durch die nahen Causses, die Gorges du Tarn und nicht zuletzt durch den Parc National des Cévennes voll in den Genuß einer noch intakten Naturlandschaft.

Nordöstlich von Florac, rund um den Mont Lozere, erstreckt sich auf einer 91.000 Hektar großen Kern- und einer 240.000 Hektar großen Randzone der Parc National des Cevennes. Im Jahre 1970 wurde dieses Herzstück der Cevennenlandschaft zum Nationalpark erklärt, um es unzerstört für die Nachwelt zu erhalten. Die Voraussetzungen sind günstig, denn die Kernzone wird nur von etwa 600 Menschen bewohnt.

Die Fauna und Flora im Nationalpark sind sehr vielfältig, da hier verschiedene Klimazonen - warm und trocken in den Tälern des Gardon, feucht und kalt am Mont Lozere - zusammentreffen. Insgesamt leben mehr als 1.200 Pflanzen- und 150 verschiedene Vogelarten im Nationalpark. Zudem wurden viele verschwundene Tierarten wie Hirsche, Auerhähne und Biber wieder angesiedelt. Die Verwaltung des Nationalparks ist im Schloss von Florac untergebracht. Ein Informationszentrum beschreibt die Zielsetzungen des Parks, stellt die verschiedenen Landschaften vor und gibt Auskünfte über Wanderungen und Führungen. Reich geworden ist der Ort vor allem durch die Viehhändler und die Schafherden, die von den Höhenzügen der Cevennen zu den Weideflächen auf dem Aubrac und Margeride unterwegs waren.

Inzwischen hat ein warmer Sommerregen begonnen den Durst der Pflanzen zu löschen. Da ich keine Lust habe mein Regenzeug anzuziehen, aber auch meinen Durst löschen will, lasse ich mich von einem Mönch inspirieren, der mir lachend ein Bier entgegen hält. Es ist übrigens das erste und das letzte Bier, das ich während der Tagestouren trinke, denn bei den Temperaturen steigt das Bier leicht zu Kopf. Das Ergebnis ist, man sieht Autos die es gar nicht mehr geben dürfte, aber in Frankreich ist alles möglich.

 

Gorges du Tarn

 

Wer den Grand Canyon du Verdon in den Alpen der Provence gesehen, erwandert oder mit einem Kanu befahren hat, weis um die Kraft des Wassers, sich in hunderten von Jahren in Kalk-, Schiefer- oder Granitfelsen einzugraben. Zurückgeblieben sind beeindruckende Schluchten, auf deren Grund ein Fluß zahm dahin fließt.

Zusammen mit den Gorges de l'Ardeche gelten die Gorges du Tarn als die eindrucksvollste Schluchten-landschaft in der Region Languedoc-Roussillon. Stellenweise hat sich der Tarn ein teilweise mehrere hundert Meter tiefes Bett in das steinige Hochplateau der Causses gegraben.

Der Tarn entspringt am Mont Lozere in 1.575 Metern Höhe als reißender Gebirgsbach. In seinem Unterlauf bildet er die Grenze zwischen der Südflanke des Lozere-Massivs und dem Bouges-Gebirge. Die eigentlichen Gorges du Tarn beginnen erst hinter Ispagnac und trennen die wasserarmen Kalksteinplateaus Causse Mejean und Causse Sauveterre, deren Bewohnern das grüne Tal des Tarn mit seinen Obstbäumen und Weingärten wie eine Oase erscheinen muss. Steil fallen die Causses zu den Gorges ab - in den Felswänden der bis zu 500 Meter tiefen Schlucht sind zahlreiche Grotten und Höhlen auszumachen -, der Ufersaum ist denkbar knapp bemessen. Für die Dörfer selbst scheint kaum Platz zu sein, oft kleben die Häuser mit ihrer Rückwand direkt am Fels. Erst hinter Le Rozier wird die Schlucht breiter, bis Millau ist der Flusslauf dann weniger spektakulär. Der Tarn selbst fließt anschließend weiter nach Albi und mündet schließlich bei Montauban in die Garonne.

In den Gorges du Tarn gibt es viel zu entdecken: Die malerischen Dörfer wie Sainte Enimie haben sich ihren eigenen Charakter bewahrt und fordern geradezu auf, eine Pause einzulegen, in einem der Cafes die Seele baumeln zu lassen, das Treiben der Touristen zu beobachten und in Ruhe einen Pastis zu trinken.

Lange Zeit war der Tarn auch der einzige Transportweg der Region. Erst 1905 wurde eine Straßenverbindung von Sainte Enimie nach Le Rozier fertig gestellt, denn hier ist der Flussverlauf am unwegsamsten. Die Straße (D 907) verläuft am rechten Flussufer, das linke Flussufer muss man zu Fuß erkunden, wobei der Weg oft direkt unterhalb der Steilhänge verläuft.

Besonders intensiv ist das Tarn-Erlebnis natürlich bei einer Fahrt mit dem Kanu oder Kajak. Die Abfahrt von den Causses geht über Serpentinen. Eine Kanutour auf dem glasklaren Fluss gehört gewissermaßen zum Pflichtprogramm. Je nach Wasserstand und Strömung ist eine Fahrt mehr oder weniger beschwerlich. Als Single kann es da ganz nützlich sein, sich einer Gruppe anschließen. Weil die Boote nun mal Zweisitzer sind, ist häufig ein Mann oder eine Frau zuviel. Die sind dann sehr froh einen zweiten Ruderer zu haben. Dass man zum Essen eingeladen wird, wenn unterwegs eine Pause eingelegt wird, ist selbstredend.

Im Hochsommer, wenn der Tarn recht träge dahin fließt, schaben die Boote über die Kieselsteine im Flussbett. Dann ist Geschick beim Steuern und Kraft beim Rudern gefragt, wehe man hat einen Partner oder eine Partnerin erwischt, die links und rechts nicht auseinander halten kann. Deshalb mein Tipp, immer den Platz hinten im Boot besetzen, dann kann man das ganze dirigieren.

Nach heftigen Gewittern schwillt der Tarn allerdings sehr stark an und wird zu einem gefährlichen, Hochwasser mit sich führenden Strom. Deshalb ist die beste Jahreszeit für eine Kanutour das späte Frühjahr , dann ist auch im oberen Flussabschnitt stets ausreichend Wasser unter dem Kanuboden.

Bei den Kanutouren kann man zwischen 2 Stunden und 2 Tagen wählen. Ich wähle die Halbtagestour von Saint Enimie bis nach La Malène, das sind 13 Kilometer und kosten 16 Euro. Diese Tour reicht um die Größe der Schluchten, ein Bad im Tarn und eine ausgedehnte Pause mit Essen und Trinken zu genießen.

Auf keinen Fall darf man den Fotoapparat vergessen, denn die Strecke ist ein ständiger Wechsel zwischen Licht und Schatten. Die besten Lichtverhältnisse herrschen am Vormittag, wenn die Sonne noch lange Schatten wirft und die Strahlen einem nicht die Haut verbrennen.

Am Zielort werden die Boote auf Hänger verladen, wir nehmen in Kleinbussen Platz und zurück geht es nach Saint Enimie. Dieses malerische Dorf ist gewissermaßen die „Hauptstadt“ der Gorges du Tarn und Ausgangspunkt für die meisten Kanutouren auf dem Fluss. Das Dorf zieht sich einen steilen Berghang hinauf, es ist der einzige Weg der Ausdehnung. Im 14. Jahrhundert lebte hier die heilige Enimie, zurückgezogen in einer Höhle. Heute entgeht man dem sommerlichen Rummel nur schwer, wenn die Urlauber einfallen. Deshalb fällt es mir nicht schwer, nach einem kühlen Perrier, die E-Glide zu besteigen und uns beide etwa 400 Meter nach oben auf die Hochebene zu bewegen. Eine gute Stunde später bin ich in meinem Quartier und kann das lang ersehnte kühle Bier trinken.

So sind die Tage vergangen und am 4. August heißt es Abschied nehmen von Anita, Felix und natürlich von DUC. Es waren wunderbare Tage, aber jetzt geht es für den Rest des Urlaubs in die Provence, genauer gesagt nach Beaucair. Auf dem Weg dorthin werde ich den Tarn noch mal von der Straße aus genießen können. Lange Zeit war der Tarn der einzige Transportweg der Region. Erst 1905 wurde eine Straßenverbindung von Saint Enimie nach Le Roziere fertig gestellt. Diese Strasse, die D907 fahre ich jetzt in der Vormittagssonne Richtung le Rozier.

Vorbei an faszienierenden Felsfomationen, durch mühsam in den Fels geschlagene Viadukte folge ich dem Tarn bis le Roziere. Am Gorges de la Jonte geht es weiter Richtung Meyrueis. Etwa auf halber Strecke, am Roc Saint Gervais tauchen sie dann am blauen Himmel auf und ziehen träge, die Aufwinde ausnutzend, ihre Kreise. Es ist nicht ungefährlich bei diesen engen Straßenverhältnissen, seine Aufmerksamkeit ausschließlich den Geiern zu widmen. Aber es ist einfach grandios, man fühlt sich in die Anden versetzt. Es dauert nicht lange und eine Traube von Menschen steht am Straßenrand und blickt andächtig und staunend in den Himmel. Trotz ihrer 3m breiten Schwingen sind die Gänsegeier nur als Punkte auszumachen, da hilft auch kein Teleobjektiv.

In den Schluchten der Jonte lebt eine größere Population von Geiern. In dem Dorf Le Truel, das wenige Kilometer hinter mir liegt gibt es den Parc Belvédère des Vautours, dort kann man die faszinierenden Raubvögel mit einem Fernrohr beobachten. Inzwischen ist die Population der vor mehr als 20 Jahren ausgewilderten Vögel auf fast 100 Exemplare angewachsen. Da längst nicht mehr genug Aas durch abgestürzte Schafe vorhanden ist, müssen tote Tiere an abgelegenen Stellen deponiert werden. Die Gänsegeier sind jedoch nicht die einzigen Raubvögel, die ihre Kreise über den Gorges de la Jonte ziehen. Mit etwas Glück lassen sich auch Königsadler, Wander- und Turmfalken sowie Schlangenadler beobachten.

Schweren Herzens setze ich meine Fahrt fort, wer hat sich nicht schon gewünscht, fast schwerelos in der Luft zu schweben, alles hinter sich zu lassen und die unendliche Freiheit der Lüfte zu erleben.

Nachdem ich in Meyrueis noch etwas Obst und Wasser geordert habe, fahre ich am Rande der Causse Noir auf der D 986 dem Col de la Sereyrède entgegen, der mich in 1299 Metern Höhe erwartet. Bevor ich aber den Pass wieder Richtung Süden verlasse, mache ich noch einem Berg meine Aufwartung, der die höchste Erhebung der südlichen Cevennen ist – der Mont Aigoual mit seinen 1.565 Metern.

 Am Tag meines Besuches ist der Gipfel nicht wie so oft in Wolken gehüllt, sondern ziemlich klar, dafür weht aber ein ziemlich rauer Wind. Meine Marinezeit liegt zwar schon einige Jahrzehnte zurück, aber Winstärken kann ich noch gut einschätzen, ich tippe auf Windstärke 9 – 10. Ich bitte einen Touristen ein Foto von mir am Rande des Observatoriums zu machen. Trotz des großen Gebäudes muß ich mich an einer Krüppelkiefer festhalten, um nicht weg geweht werden.

Bei guten Wetterverhältnissen, bietet sich eine grandiose Fernsicht, die vom Mont Blanc bis zu den Pyrenäen und dem rund 80 Kilometer entfernten Mittelmeer reicht. Ungewöhnlich viele Wohnmobile sind auf dem Gipfelparkplatz zu sehen. Von einem Schweizer erfahre ich, dass man von hier oben ein Viertel von ganz Frankreich überblicken kann. Viele der Wohnmobilfahrer kennen sich, sie verbringen auf dem Gipfel einen Teil ihres Urlaubs. Der Kick den sie suchen, ist ein Orkan, der mit 250 Kilometern pro Stunde über den Gipfel braust. Jetzt weiß ich auch wozu die Stahlseile an den Autos sind.

Die Abfahrt nach Le Vignan ist ein Wahnsinn, Kurven, Kurven und nochmals Kurven, man kommt sich vor wie auf einem Karussell, zwischendurch immer wieder Teilstücke mit frischem Split, vielleicht hätte ich sie doch Vollkasko versichern sollen, aber wo wäre dann mein Kick.

In Le Vignan nehme ich die D 999, bleibe in Ganges auf dieser Straße Richtung Nîmes – noch 90 Kilometer, Beaucaire ich komme!

 

 

Text und Fotos: Manfred Berwanger

Homepage: www.arbeitsschutz-berwanger.de

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