Kulinarische Motorradtour durch Italien

 

Schon oft sind mein Freund Hans-Jörg und ich mit dem Motorrad in den Urlaub gefahren. Entweder als organisierte Pauschalreise, oder wir haben uns einfach treiben lassen. Diesmal wollten wir es anders machen. Erstens würden wir zwei befreundete Biker, Kerstin und Axel, mitnehmen. Und zweitens wollten wir die Tour vorbereiten wie die Profis, mit Tourbuch und Vorbereitungstreffen. Mit Hilfe des Internets konnten wir im Tourbuch nicht nur die geplanten Kosten sondern natürlich auch die pro Tag geplanten Streckenabschnitte samt Kilometerzahl und Ausflugstipps festhalten. Für den Notfall waren in unserem kleinen „Werk“ auch Werkstattlisten der verschiedenen Regionen enthalten.

Zum Vorbereitungstreffen gehörte ein gutes Essen. Da es nach Italien gehen sollte, und dieses Land kulinarisch so viel zu bieten hat, war klar, dass es ein landestypisches Menü geben würde: 

Vorspeise: Insalata Caprese

 Leckere italienische Strauchtomaten in Scheiben schneiden, Mozzarella (möglichst vom Büffel) ebenfalls in Scheiben schneiden, Tomaten mit Salz und Pfeffer würzen und mit den Käsescheiben belegen. Kleine Basilikumblättchen darüber streuen. Olivenöl und Balsamico-Essig über Tomaten und Mozzarella träufeln.

 

Hauptgang: Pancetta-Pastamuscheln

Große Pastamuscheln al dente kochen, abschrecken und abtropfen lassen. Olivenöl mit einer gehackten Zwiebel, 125 g klein geschnittenem Pancetta (Speck) und 2 zerdrückten Knoblauchzehen mischen, in einer kleinen Pfanne bei mittlerer Hitze köcheln, bis die Zwiebeln weich sind. Von 12 großen Spinatblättern die Stiele entfernen, Blätter klein schneiden und mit zwei geschälten und klein geschnittenen Tomaten in die Pfanne geben, gar kochen. Pfanne vom Herd nehmen, 250 g Ricotta, etwas frisches Basilikum und Muskat untermischen. Pastamuscheln auf ein gefettetes Backblech legen. Speck-Spinat-Mischung einfüllen, mit Parmesan bestreuen und bei 180 Grad zehn Minuten erhitzen. Tomatensoße auf Teller geben und die Pastamuscheln darauf servieren.

Dessert: Amarena-Eis

 

Nach dieser Einstimmung konnten wir den Beginn unserer Tour kaum abwarten…

 

1. Tag

 Am 29. Mai ist es endlich soweit. Wir laden die drei Suzukis – ich bin „nur“ als Sozia mit von der Partie – in einen Hänger und fahren zunächst nach Germering bei München. Wenn man, wie wir, in Ostholstein wohnt, ist der Weg in motorradfreundliche Gefilde weit. Und bevor wir uns schon zu Beginn eckige Reifen auf der Autobahn holen, ziehen wir die Alternative Pkw mit Hänger für die Strecke nach Süddeutschland vor. Nach unzähligen Tankstopps, der Diesel ist mit seiner schweren Fracht ausgesprochen durstig, und rund 860 ziemlich langweiligen Kilometern landen wir kurz nach 18.00 Uhr bei Gerd, einem lieben Freund, in Germering. Der backt mal eben frische Pizzabrote und verwöhnt uns mit leckerem Rotwein, Fleisch vom Grill, Salat und Aioli.

 

2. Tag

 Am nächsten Tag steigen wir nach einem gemütlichen Frühstück auf der Terrasse auf die Suzis und starten endlich zweirädrig. Gleich die erste Tankstelle ist unsere. Die Maschinen waren schließlich ziemlich leer auf dem Hänger. Nun kriegen sie Kraftstoff für die bevorstehenden Kilometer. Auch der Luftdruck wird noch kurz geprüft. Man will für alles bestens gewappnet sein. Es geht über Starnberg nach Garmisch und dann auf der Bundesstraße 23 über die Grenze nach Österreich. Vorbei an der Zugspitze und dann zum Fernpass. Dort gibt’s die erste Überraschung. Der Pass ist gesperrt. Aber Hannes, pass- und jocherfahren, lässt sich nicht abschrecken. Und tatsächlich: Wir kommen mit den Moppeds durch. Wenn auch ein wenig Geröll auf der teilweise vom Schmelzwasser weggerissenen Straße herumliegt. Der Winter hat sichtbar schwere Schäden hinterlassen. Die vermeintliche Hängebrücke, die wir auf der linken Seite bewundern, entpuppt sich als normales Bahngleis, dem der Boden unterm Hintern weggespült wurde. Die Landschaft wird immer idyllischer. Imposante Berge mit Schnee auf den Gipfeln und Wiesen voller leuchtend gelbem Löwenzahn bestimmen das Bild. Dazwischen weiße Holunderblüten und knallroter Mohn.

„Durch das Ötztal hindurch an Sölden vorbei nähern wir uns der zweiten Herausforderung, dem Timmelsjoch“, heißt es im Tourbuch. Rechtzeitig erfahren wir, dass das Timmelsjoch noch gesperrt ist und wollen über den Reschenpass ausweichen. Also halten wir uns Richtung Landeck. Einmal mehr genießen wir das Motorradfahreraufkommen, das hier deutlich höher ist als in Norddeutschland. Man bekommt einen lahmen Arm vom vielen Grüßen. Die Atmosphäre ist toll! Über den Reschenpass erreichen wir bella Italia, oder besser gesagt Südtirol, was nicht wirklich italienisches Flair verbreitet. Der Cappuccino, den wir uns gleich hinter der Grenze genehmigen, schmeckt allerdings sehr italienisch. Lecker! Weiter geht's vorbei am Reschensee mit seinem eisblauen Wasser und dem darin versunkenen Kirchturm. Ein paar Regentropfen stören nicht, denn es ist wunderbar warm.

Um 18.00 Uhr treffen wir in Castelbello/Kastelbell ein und erhaschen einen Blick auf Reinhold Messners stolzes Schloss „Juval“. In der Pension „Feldhof“ finden wir zwei Zimmer. Da wir gerne gut essen, ist der „Gstirner Keller“ ein Muss. Das Gewölbe mit den langen Holztischen und -bänken verbreitet urig-rustikalen Charme, die Musik sorgt für den einen oder anderen Lacher. Die „Speck am Brett'l“-Portion ist mit oder ohne Käse eine Attraktion. Die Menge könnte eigentlich für den gesamten Urlaub reichen. Aber weil Schinken, Käse und das Bauernbrot so köstlich sind, bleibt nicht viel übrig. Der ländliche Rotwein, der in Liter-Krügen serviert wird, schmeckt natürlich auch dazu. Danach schläft sich's gleich doppelt so gut.

Tageskilometer: 311 Gesamt: 311

 

3. Tag

 

Kleines Problem zum Tagesbeginn. Axel kriegt sein Felgenschloss nicht auf und darf erst einmal ein wenig schrauben. Kerstin, Hans-Jörg und ich nutzen die Zeit, um Getränke für die Fahrt zu besorgen. Nach kurzer Zeit dröhnen die Motoren. Das Stilfser Joch ist planmäßig das nächste Etappenziel. Wir sind guter Dinge, denn man hatte uns versichert, in Italien seien alle Pässe bereits geöffnet. Und dann das: „Chiuso“, sagen die Schilder. Wir probieren es trotzdem. Vorbei an einer Jausenstation, Restaurants und Hotels klettert unsere Suzi wie eine Bergziege in immer kältere Gefilde hinauf. Ziemlich weit oben treffen wir einen Fahrradfahrer, der sich doch tatsächlich mit Muskelkraft so weit hoch gekämpft hat. Er erzählt, dass das Straßenbau-Team, das wir in einiger Entfernung sehen können, in etwa einer Dreiviertelstunde Mittagspause machen würde. Dann bestünde wahrscheinlich die Möglichkeit, den Pass zu überqueren. Mit einem Schneefeld müsse man allerdings rechnen. Okay, warten wir also. Allerdings werden wir dann doch etwas unruhig, dass Axel und Kerstin nicht auftauchen, die uns längst hätten einholen müssen. Wir kehren um und treffen die beiden recht weit unten. Kerstin, die ihren Führerschein noch nicht lange hat, musste böse Bekanntschaft mit Kehren machen. Gleich in der ersten ist sie gestürzt, hat sich die Fußraste ihrer Bandit abgebrochen. So kommen wir nie über den Pass. Wir fahren zurück in den nächsten Ort.

Der Monteur einer Fiat-Werkstatt empfiehlt uns die Firma Wunderer in der „Handwerkerzone“. Obwohl der Chef eigentlich gerade Mittagspause hat, hilft er. Geld nimmt er dafür nicht. Schließlich ist er auch „Motorradl-Fahrer“.

Statt über das Stilfser Joch wollen wir jetzt über den Umbrailpass. Dazu machen wir einen Abstecher in die Schweiz. Dort sieht es allerdings nicht viel besser aus als vorher in Österreich und Italien. Die Pässe sind noch nicht geöffnet. Es bleibt nur der Ofenpass. An dessen Ende fängt es an zu regnen. Wir schlüpfen ergeben in die unbequemen Regen-Kombis. Glücklicherweise hat Petrus schnell ein Einsehen. Es wird trocken und warm. Nach diversen Umwegen erreichen wir Bormio. Nun brauchen wir nur noch den Gavia-Pass hinter uns zu bringen und dann noch so weit wie möglich gen Süden kacheln... Man ahnt es schon. Auch der Gavia-Pass ist geschlossen. Inzwischen wissen wir’s besser und wagen es trotzdem. Die Straße wird neu geteert. Deshalb sieht es erst so aus, als gäbe es tatsächlich kein Durchkommen. Aber die Arbeiter falten ihre Teermaschine mal eben zusammen, damit wir auf einem schmalen Pfad an ihnen vorbei kommen. Klasse! Oben brausen wir an Schneefeldern und wunderschönen Eis-Seen vorbei.

Klangvolle Namen wie Cedegolo und Capo di Ponte stehen auf den Straßenschildern. Wir wollen Kilometer schaffen. Es dämmert bereits, und Hannes dämmert es auch, als wir den nicht gesperrten Pass „Croce domini“ erreichen. Der ist nach diesem ereignisreichen Tag und dazu noch bei einsetzender Dunkelheit und nasser Straße wohl nicht mehr angesagt. Deshalb kehren wir im Hotel „Oasi Verde“ in Prestine ein. Zu Recht wird das Haus von der Zeitschrift „Tourenfahrer“ empfohlen. Man erzählt uns, dass gerade eine große Biker-Truppe abgereist sei, zwei weitere werden in wenigen Tagen erwartet. Klar, dass wir uns hier gerne einmieten.

Tageskilometer: 313 Gesamt: 624

4. Tag

 aut Tourbuch hätten wir eigentlich in der Gegend von Verona übernachten wollen. Unser Tagesziel ist Venedig. Doch bis dahin ist es noch weit. Deshalb machen wir uns nach dem Frühstück eilig auf den Weg. Es ist schon ziemlich heiß. Was für ein Tagesbeginn: Der „Croce domini“ führt durch herrliche Wälder mit viel Schatten. Die Landschaft ist überwältigend. Und dann auch noch die grandiosen Kurven vorbei am Lago d'Idro… Das ist Fahrspaß der Extraklasse! Wir kommen am Gardasee raus und beschließen einen Abstecher nach Sirmione. Ein schnelles Getränk und ein kleiner Bummel durch die auf der Landzunge gelegene Stadt, dann geht es auch schon weiter. Um Zeit zu sparen, zahlen wir widerwillig Gebühren und fahren noch widerwilliger auf der Autobahn an Verona, Vicenza und Padua vorbei in Richtung Venedig. Rund 20 Kilometer vor der Lagunenstadt gibt es auf einem Rastplatz ein Informationshäuschen, wo man direkt ein Hotel buchen kann. Gesagt getan. Das „Alla Campana“ liegt in Dolo. Von dort sind es zwar 45 Minuten mit dem Bus in die Innenstadt Venedigs. Dafür gibt es eine Garage, wo die Maschinen sicher untergebracht sind. Ist ja auch etwas wert.

Nach der obligatorischen und dringend nötigen Dusche machen wir uns auf den Weg in die romantischste Stadt der Welt. Komischer Gedanke, wenn man sich vorstellt, dass Venedig vielleicht schon bald im Meer versinken wird. Denn der Zahn der Zeit nagt mit großem Appetit an den 15.000 Gebäuden, die jeweils auf rund 18.000 Stämmen aus Eichen-, Erlen- und Lärchenholz stehen.

Vom Piazzale Roma direkt am Canal Grande erkunden wir die Stadt. Wir schlendern zu Fuß durch die Gassen mit Ziel Markusplatz und Rialto-Brücke. Eine Gondelfahrt ist zwar recht teuer aber irgendwie ein Muss. Wir suchen uns einen alten, etwas zahnlosen Gondoliere aus. Er schippert uns in den Sonnenuntergang, nuschelt alles mögliche über die diversen Palazzi. Er macht den Job schon seit 45 Jahren, hören wir raus. Das merkt man, wenn er schlafwandlerisch die Gondel durch die engen, verwinkelten Kanäle bugsiert. Vermutlich trinkt er auch schon seit 45 Jahren mit seinen Kunden Vino. Uns überredet er jedenfalls schnell zu einem Fläschchen, das er mit Axel einkaufen geht. Es wird immer dunkler, wir immer duseliger. Vor jeder „Kreuzung“ ruft unser Mann auf der Gondel in die Nacht, damit wir nicht von einer Konkurrenz-Gondel oder schlimmer von einem Speed-Boot gerammt werden. Am Markusplatz endet unsere Fahrt. Danach müssen wir auch gleich zurück zum Bus-Bahnhof. Schade, wir hätten gern mehr Zeit gehabt… Tageskilometer: 316 Gesamt: 940

Unvergesslich ist Venedigs Küche. Allerdings sollte man auf Canòce (Meer-Zikaden)und andere Krustentiere, Muscheln und Fische verzichten. Was aus der Lagune geholt wird, ist einfach zu stark mit Umweltgiften belastet. Hier eine gesunde und absolut schmackhafte Variante:

Risi e suca (Reis und Kürbis)

Mit einem süßlich schmeckenden Kürbis gelingt dieses Rezept am besten.

200 g Kürbis schälen, Kerne entfernen und Fruchtfleisch in Stücke schneiden. Mit etwas Butter, Olivenöl, einer in dünne Scheiben geschnittenen Zwiebel, Salz und Pfeffer in einen Topf geben. Mit einem Hauch Zimt abschmecken. Kürbis dämpfen, bis er weich ist, mit einem Liter Fleischbrühe aufgießen und umrühren. 200 g Risotto-Reis zugeben und zum Sieden bringen. Anschließend Hitze reduzieren und das Ganze bei milder Hitze garen lassen. Das fertige Reisgericht sollte eine eher flüssige Konsistenz haben. Vor dem Servieren mit Salz und Pfeffer abschmecken und mit Parmesan bestreuen.

 

5. Tag

Unser heutiges Etappenziel ist Perugia. Um es zu erreichen, verlassen wir Venedig durch die Po-Ebene nach Süden. Hört sich toll an, ist aber grottenlangweilig. Die Strecke ist ziemlich gerade, die Landschaft erinnert an die Nordsee. Durch Ravenna geht's weiter nach Rimini. Kaum in der Stadt angekommen, werden wir von einem Mofa-fahrenden Mitarbeiter der Tourist-Information angesprochen. Ob wir ein günstiges Hotel in Strandnähe bräuchten, will er wissen. Super Service, aber sorry, wir bleiben nicht über Nacht. Wir kehren in einer Pizzeria ein und verlassen dann die Küste. Unser Weg führt uns durch den Zwergstaat San Marino (61 km² Fläche). Eindrucksvoll ist die Festung, die auf einer Bergspitze die Hauptstadt überragt. Der weitere Streckenverlauf bietet viel Olivenhaine, leuchtende Mohnfelder und dann den ersehnten Viamaggio-Pass. Die sanften, manchmal auch anspruchsvollen Kurven bereiten endlich wieder Fahrspaß. Das tut Po und Knien gut! Bei Sansepolcro gehen wir auf die Autobahn und sind so im Handumdrehen in Perugia.

Das Hotel „Signa“ ist klasse ausgeschildert und deshalb unsere Wahl. Die stellt sich als richtig gut heraus: Wir haben ein schönes Dach über dem Kopf und eine Garage für die Maschinen. Ein singender Chinese rollt unser Gepäck von der etwas abseits gelegenen Garage den steilen und schmalen Fußweg zum Hotel hoch. Nach der Hetzerei durch Venedig genießen wir es, hier Zeit zu haben und bummeln ganz gemütlich durch die laue Abendluft in Richtung Altstadt. Perugia, das Zentrum Umbriens, des sogenannten Landes des Friedens, blickt auf eine bewegte und gar nicht so friedliche Vergangenheit zurück. Davon zeugen der Augustus-Bogen, ein Tempel und zahlreiche Kathedralen. Außerdem gibt es wunderschöne Brunnen und viele alte Bauwerke zu bestaunen. In einer Fußgängerzone, die geradezu von alten Häusern umrahmt ist, stehen Tische und Stühle vor den Restaurants. Dort lassen wir uns zum Tagesausklang nieder.

Tageskilometer: 385 Gesamt: 1.325

6. Tag

Wie schön: Ausschlafen ist angesagt, denn wir haben heute ja soooo viel Zeit. Denken wir jedenfalls. Ausgiebig genießen wir darum unser Frühstück, das wir draußen unter einem riesigen Sonnenschirm serviert bekommen. Es wird schon wieder heiß. Wir trödeln und brechen erst um 11.45 Uhr auf. Nicht zum ersten Mal führt uns die tolle italienische Beschilderung kräftig an der Nase herum. So landen wir nach viel Sucherei für ein kurzes Stück unbeabsichtigt auf der Autobahn. Von Todi aus können wir dann glücklicherweise wieder nette Kurven genießen. Das Biker-Leben kann so schön sein! An einem kleinen See vorbei geht's über Baschi nach Amelia. Dort trinken wir einen Weltklasse-Cappuccino (oder zwei? Oder drei? ;-) Weil wir ja so gut in der Zeit sind, bleiben wir anderthalb Stunden und beobachten Mofas, Roller und die berüchtigten Dreiräder. Dann reisen wir über Narni und Civitta Castellana nach Rom, wo bekanntlich viele Wege hinführen. Dort angekommen müssen wir feststellen, dass die Römer nicht wie normale Italiener fahren sondern wie durchgeknallte Pistensäue (entschuldigung; stimmt aber). Ohne mit der Wimper zu zucken, setzen sie die Gesetze der Physik außer Kraft. Ein Hotel zu finden erweist sich nach einem anderthalb Stunden dauernden Versuch als ziemlich unmöglich. Und die Touristen-Information hat auch schon um 18.00 Uhr geschlossen. Wir wollen schon aufgeben und die Stadt wieder verlassen. Da landen wir auf dem Weg, der aus dem Gewimmel von Baustellen, Einbahnstraßen und Umleitungen führen soll, doch noch am Albergo „Davos“. Es ist zwar recht schäbig und der Nachtportier nicht besonders hilfsbereit, aber immerhin gibt es zwei bezahlbare Zimmer. Also quartieren wir uns ein. Während Kerstin und Axel sich bemühen, ein wenig Wasser aus der Dusche zu locken, sprudelt’s bei uns eiskalt. Hat was von klarem Berg-Quell-Wasser… Aber immerhin: Die Motorräder stehen in einem „Parkhaus“ ganz in der Nähe, und im „Country-Café“ bekommen wir auch noch etwas zu essen. Was will man mehr?

Tageskilometer: 214 Gesamt: 1.539

 

7. Tag

 Für heute ist eigentlich ein Rasttag, also ein ganzer Tag ohne die Suzis, geplant. Aber die erste Begegnung mit dem römischen Straßenverkehr hat uns vorsichtig gemacht. Wenn's rein in die Stadt so schwierig ist, warum sollte es raus einfacher sein? Wir beschließen, nach einer ausführlichen Besichtigungstour weiter in Richtung Fährhafen zu brausen, um dort stressfreier zu übernachten. Das Gepäck können wir im Hotel lassen, so dass wir unbelastet und per pedes in die Stadt aufbrechen.

Zunächst marschieren wir in Richtung Petersdom. Vor einem Restaurant spricht uns der alte Patrone an und lockt uns zum Frühstück in sein Etablissement. Es gibt gewöhnungsbedürftiges Brot, ein Glas Marmelade, für uns frisch geöffnet und großzügigste Butterberge. Dazu darf der obligatorische Cappuccino natürlich nicht fehlen. Gestärkt stürzen wir uns in die Kultur. Und bremsen gleich wieder ab. Am Eingang zu den Vatikan-Museen und der Sixtinischen Kapelle stehen die Touristen kilometerweit Schlange. Das ist nichts für uns. Wir verzichten und wenden uns direkt dem Petersplatz mit Dom zu. Gut vorbereitet schlüpfen wir in lange Hosen. Sonst würde man uns nämlich kaum in den Dom lassen. Drinnen erschlägt uns die geballte Ladung Kunst. Es ist unfassbar! Da es uns gelingt, uns einer deutschen Führung anzuschließen, kriegen wir interessante Infos über den einen oder anderen Gegenstand bzw. die Bauweise und die wechselvolle Geschichte. Es duftet nach Weihrauch. Im Dom selbst aber vor allem im Keller sind diverse Päpste begraben. Das müssen wir uns natürlich ansehen. Wieder am Tageslicht begutachten wir die Schweizer Garde und machen uns dann auf in Richtung Colosseum.

Unser Weg führt uns vorbei am Forum Romanum, dem ehemaligen Machtzentrum Roms. Man kann wunderbar die Ruinen ehemaliger Tempel und Kerker sehen. In glühender Hitze erreichen wir das Colosseum, das wirklich kolossal ist. In dem im Jahr 75 gebauten Theater haben unter anderem die blutigen Gladiatorenkämpfe vor 40.000 bis 50.000 Besuchern stattgefunden.

Zum Ausruhen ist keine Zeit. Wir müssen weiter zum berühmten Trevi-Brunnen. In dem hat sich schon Marcello Mastroianni für den Film „La Dolce Vita“ geräkelt. Und was der kann, .... Na gut, vor allen Leuten ist das wohl nicht die beste Idee. Außerdem ist der Brunnen voll von Münzen. Da wäre für uns eh kein Platz mehr. Also marschieren wir zur spanischen Kathedrale, stolzieren die spanische Treppe abwärts und bummeln durch Einkaufs-Fußgänger-Passagen zurück in Richtung Hotel. Wir ziehen uns um, holen die Motorräder ab und verlassen um 18.15 Uhr die Stadt.

Auf der Via Cassia (Nr. 2) stehen wir im Stau. Es ist wohl Feierabend-Verkehrs-Zeit. Oder es ist einfach immer so voll. Jedenfalls bewegen wir uns mit etwa 3 km/h vorwärts. Bei dem rasanten Tempo kommt natürlich auch ein toller Fahrtwind zum Kühlen auf... ;-) Irgendwann schaffen wir es auf die Via Aurelia (Nr. 1). Die ist genau richtig. Über Ladispoli kommen wir nach Santa Marinella. Es geht an der Küste entlang, so dass wir schon Strände und vor allem das Meer sehen können. Wie schön! Wir quartieren uns im „L'Isola“ ein. Das heißt: Ich quartiere ein, und der Rest der Truppe parkt die Motorräder. Das ist im Fall dieses Hinterhofs nicht so einfach, denn überall liegt eine dicke Kiesschicht, so dass die Moppeds fast einen Knicks machen. Es wird also umgestellt, wobei ein freundlicher Mitarbeiter zu Hilfe eilt und dermaßen an den Maschinen herumzerrt, dass er in höchster Gefahr schwebt, sich einen Satz heiße Ohren zu holen. Glücklicherweise geht alles glatt über die Bühne. Man fettet die Kette, duscht und nimmt dann auf der Restaurantterrasse Platz. Das Essen ist superlecker. Es gibt Römersalat und gebratenen Thunfisch.

Tageskilometer: 88 Gesamt: 1.627

 

Römersalat

 Rinde von zwei Scheiben Weißbrot abschneiden, das Brot in kleine Würfel schneiden. Butter in einer Pfanne schmelzen, Brot darin bräunen und auf Haushaltspapier abtropfen lassen. Zwei kleingeschnittene Speckstreifen in die Pfanne geben und unter Rühren bräunen. Ebenfalls aufs Haushaltspapier legen. Einen Römersalat waschen und in mundgerechte Stücke zupfen, mit Speck und Brotwürfeln mischen, 60 g zerbröckelten Gorgonzola und 40 g grobgehackte Walnüsse dazu geben und kräftig mischen. Für das Dressing ein Ei eine Minute kochen, pellen und in einen Mixer geben. Mit Olivenöl, Zitronensaft, einigen Sardellenfilets (Dose) und einem Teelöffel Senf zu einer glatten Konsistenz zerkleinern.

 

Thunfisch mit Kräutern und Balsamico-Essig

 In einer großen Pfanne Öl erhitzen. Pro Person ein Thunfischsteak darin bei mittlerer Hitze braten, bis es gar ist (je Seite ca. 10 Minuten). Die Steaks auf Teller geben, mit kleingehackter Petersilie und kleingeschnittenem Basilikum bestreuen und mit Balsamico beträufeln.

 

8. Tag

 Da wir nicht weit von Civitavecchia entfernt sind, gehen wir den Tag gelassen an. Gegen 10.00 Uhr starten wir durch. Bis zum Fährhafen sind es rund elf Kilometer. Wir erkundigen uns nach der Abfahrtszeit einer Fähre nach Sardinien und stellen fest: Wir haben Zeit ohne Ende. Also fahren wir in Ruhe unsere Getränkevorräte auffüllen. Dann zieht’s uns an den Strand. Irgendwie ist keine Stelle so richtig ansprechend. Außerdem will man ja auch die Motorräder nicht gern aus den Augen lassen. Auf einem Parkplatz spricht uns ein älteres Paar an. Der Mann empfiehlt das nur etwa 10 km entfernte Bagni S. Agostino. Wir folgen der Wegbeschreibung und landen an einem nicht wirklich schönen Strand. Dort können wir aber direkt neben den Suzis im Gras liegen. Und etwas Schöneres kann sich weder Biker noch Sozia kaum vorstellen! Jeder tut, wonach ihm zumute ist: Kerstin kniffelt, Axel lässt sich den Pelz verbrennen, Hannes schraubt an der Verkleidung seiner Maschine, die auf dem schlaglöchrigen Boden aufgesetzt hat, und ich schreibe. Ein kleiner Pinienwald bietet Schatten.

Nachdem alle ein wenig relaxt haben, düsen wir zurück zum Hafen, trinken noch einen schnellen Cappuccino in einer kleinen Snackbar, die wohl eher von Hafenarbeitern als von Touristen besucht wird und kaufen dann unsere Tickets. Es gibt Aufkleber für die Moppeds und die Info, dass die Fähre bereits Verspätung hat. So warten wir also in der Hitze und ordnen uns schließlich als erste Biker an Kai 7 ein. Während wir warten, beäugen wir ein Harley Davidson-Pärchen, das von Brille über Uhr, Weste und Schuhe komplett stilecht ausgestattet ist. Schließlich läuft unser Kahn ein. Ganz schön aufregend. Die gute Sozia geht zu Fuß, Hannes, Kerstin und Axel bringen die Suzis heil in den Bauch des Schiffes. Für die Maschinen werden feste Plätze zugewiesen. Das Festzurren bleibt uns selbst überlassen.

Statt um 17.20 Uhr legen wir um 18.30 Uhr mit dem „Sardegna Express“ ab. Ein kleines Nickerchen in den kuscheligen Sesseln, und im Handumdrehen sind wir am Ziel. Um punkt 22.00 Uhr erreichen wir Sardinien. Es ist bereits dunkel. Zielstrebig fahren wir über die finstere Insel in Richtung Süden zum Hotel „Quattro Lune“, das Hannes und ich schon kennen. Knapp vor Mitternacht sind wir da. Dann der Schock: Alle Zimmer sind besetzt! Nun gibt’s nur noch eine Chance im „Alba Dorata“ gleich nebenan. Dort kriegen wir super eingerichtete Appartements für einen absolut fairen Preis. Froh, doch noch ein Dach über dem Kopf zu haben, nehmen wir ein Absacker-Bierchen und gehen dann todmüde ins Bett.

Tageskilometer: 162 Gesamt: 1.789

9. Tag

 Wer je nach Sardinien fährt, sollte sich eine Tour mit „Keya“ (www.keya-sardegna.it) nicht entgehen lassen. Sarde Gavino und seine deutsche Frau Lisa bieten Trekking, Canyoning, Höhlenforschen, ein super Essen mit Hirten und vieles mehr. Hans-Jörg und ich haben schon allerbeste Ausflugserfahrungen mit Keya gemacht. Diesmal hat’s leider nicht geklappt. Das Wetter war nicht so gut. Da nutzten wir doch die Gelegenheit, um mal ein paar Klamotten durchzuspülen. Viele Shirts passen schließlich nicht ins Motorradgepäck. Und die sind schnell durchgeschwitzt… Am Nachmittag verziehen sich die Wolken. Wir gehen an den Strand. Das Wasser ist herrlich, ganz warm und ungefährlich flach bis weit draußen. Während Hannes und Axel nach dem Mittelmeer noch den Pool antesten, kümmern Kerstin und ich uns um das Abendessen. Wir improvisieren Spaghetti à la Suzi mit fertiger Tomatensoße. In die Soße kommen kleingeschnittene Champignons. Kräuter dazu wachsen überall auf dem Hotelgelände: Rosmarin, Thymian und ein Hauch Minze. Mit Oliven, dem hauchdünnen typisch-sardischen Brot und viel viel Vino rosso wird unsere Nudelkreation zum Genuss.

10. Tag

 Der Sturm, der in der Nacht unsere Wäsche von der Leine gefegt hat, hat sich gelegt, als wir um 9.00 Uhr aus dem Bett kriechen. Nach dem Frühstück geht es um 10.45 Uhr los. Allerdings kommen wir nicht besonders weit, denn Axels Tank (der seines Motorrades) ist leer. Wie gut, dass sich der Tank von Kerstins Bandit so problemlos abmontieren lässt. So können wir schnell ein paar Tropfen Sprit nachfüllen, und das Ganze dauert nur rund 20 Minuten. Damit kann man leben. Über Olbia und Palau fahren wir nach S. Teresa Gallura ganz im Norden der Insel. Um 14.30 Uhr trudeln wir am Hafen ein, und um 15.00 Uhr startet eine Fähre. Na, wenn das nicht gut passt!

Nach nur einer Stunde Überfahrt mit „Moby Lines“ erhebt sich Bonifacio eindrucksvoll am Horizont. Wenige Minuten später legen wir in Korsika an. Wir nehmen uns ein wenig Zeit für die Besichtigung von Bonifacio. Allerdings kann man die eigentliche Altstadt nur zu Fuß erreichen. Und natürlich kann man die Bikes mit dem ganzen Gepäck nicht unbeaufsichtigt zurücklassen. Ein wenig außerhalb, wo man schon den wunderbaren Ausblick über Hafen und Bucht genießen kann, sieht es mit Parkplätzen schlecht aus. Überall kostet es Geld. Willkommen in Frankreich! Ich kann mir trotzdem den hübschen Friedhof ansehen. Der Rest der Mannschaft liebt es etwas „lebendiger“ und sieht sich zwischen altem Gemäuer um.

Nach 45 Minuten hält uns nichts mehr. Wir wollen Gerd, unseren Freund aus Germering, und seine Familie treffen, die hier Urlaub machen. Auf der 196 bewegen wir uns parallel zur Westküste. Sartène, Olmeto und Cauro liegen auf unserem Weg nach Ajaccio, der Insel-Hauptstadt. Witzig sind die Beschriftungen sämtlicher Schilder, die nicht nur in französisch sondern immer auch in korsisch sind. Erst um 18.00 Uhr kommen wir dazu, eine Mittagspause einzulegen. Die Restaurants, die uns zusagen, sind alle geschlossen. Schließlich landen wir dann doch noch im Auberge „Coralli“ in Sartène, wo man bereit ist, uns etwas zu servieren. Ausschließlich kalte Küche allerdings. Aber das ist durchaus okay. Die angepriesene „Charcuterie“, für die wir uns alle vier entscheiden, besteht aus Schinken und Wurstwaren der Insel. Dazu serviert man knapp bemessen Brot und Butter. Wenig knapp bemessen ist die Rechnung. Naja, wenn man schon nicht richtig satt wird, kann man nicht auch noch erwarten, dass es günstig ist;-)

Allmählich dämmert es. Ich freue mich, nicht auf einem freudlosen Einzelbike zu sitzen, denn so erfahre ich von Hannes schon einiges über Korsika. Ein Gewitter zieht auf. Noch trocken erreichen wir den Campingplatz „U Sommalu“. Wir wollen uns ein Plätzchen für unsere Zelte, die wir natürlich im Gepäck haben, organisieren. Da kündigt sich ein kräftiger Platzregen an. Hannes und ich sind uns einig, lieber direkt einen Bungalow zu mieten. Gute Entscheidung: Das Häuschen ist klasse. Zwei Zimmer, eigenes Bad, Küchenzeile, kleines "Wohnzimmer" und Veranda.

Tageskilometer: 328 Gesamt: 2.117

11. Tag

 In unserem Tourbuch steht: „Nach der bislang recht langen Reise haben wir uns jetzt einige Ruhetage verdient.“ Wie wahr! Deshalb ist erst mal Ausschlafen angesagt. Eine Motorrad-Tour mit Gerd darf trotzdem nicht fehlen. Hannes, Axel und ich brechen gegen Mittag auf. Kerstin freut sich als Fahranfängerin, das Zweirad mal aus der Ferne zu betrachten. Die Strecke ist toll, schön kurvig und mit phantastischen Ausblicken. Ein paar Wildschwein-Ferkel springen zur Seite, als sie uns kommen sehen. Am „Ziel“ angekommen lassen wir die Maschinen stehen und erklimmen per pedes einen kleinen Gipfel. Was für eine Aussicht! Korsika ist so ganz anders als Sardinien. Die Macchia ist hier wesentlich sanfter. Überhaupt macht diese saftig grüne Insel mit ihren hohen Bergen und den wunderschönen Stränden es einem leichter, sie auf Anhieb zu mögen. Sardinien ist spröder und wirkt eigensinniger. Nach genüsslichem Stop in der Natur geht es wieder bergab. Die Serpentinen sind eine üble Schotterpiste. Nicht gerade das reine Vergnügen. Die Suzi schnauft und rächt sich, indem sie mehr Sprit als gewöhnlich verbraucht, so dass auch Hans-Jörg das Vergnügen kennen lernt, leer zu laufen. Diesmal ist Kerstins praktische „Bandit“ nicht da. Also holt Axel Kraftstoff von der nächsten Tankstelle. Bevor wir nach Hause fahren, kaufen wir noch schnell für einen Grillabend ein. Ein korsischer Kastanienkuchen als Dessert gehört unbedingt dazu. Anschließend ist noch Zeit für den Strand. Der ist ganz anders als der auf Sardinien. Statt klebendem Sand, der einen in Sekundenschnelle paniert, hat man es hier mit feinem Kies zu tun, der sich mit Begeisterung dauerhaft im Gehörgang festsetzen kann. Auch von stillem flachen Wasser kann keine Rede sein. Die Wellen sind superhoch. Es macht viel Spaß, darin herumzutollen.

Tageskilometer: 144 Gesamt: 2.261

12. Tag

Heute ist Kultur angesagt. Unser Ziel heißt: prähistorisches Zentrum in Filitosa. Eine Warnung an alle, die unsere Tour nachfahren wollen: Nur, wer richtig Lust auf die volle Packung menschlicher Entwicklungsgeschichte hat, kann sich für diesen Ausflug begeistern. Die Strecke vom Campingplatz dorthin ist ziemlich langweilig. Und die gammeligen Steine, von denen wir nicht so genau wissen, ob die zufällig in ihrer Formation liegen oder von Menschen so angeordnet worden sind, sind es einfach nicht wert. Naja, das ist Geschmackssache. Auch die Rückfahrt ist eher eine Zumutung als Fahrspaß. Der Belag ist katastrophal, die Schlaglöcher sind nur für eine Geländemaschine ein Vergnügen. Die Kurven sind eng. Dazu kommen noch Ziegen, die überall an den dreckigen Straßen herumstehen. Nach wirklich mühsamen 173 Kilometern fühlt sich mein Nacken hart an wie eine Betonmauer.

Tageskilometer: 187 Gesamt: 2.448

13. Tag

Der Urlaub neigt sich ganz langsam seinem Ende zu. Um 7.00 Uhr krabbeln wir schon aus den Federn, packen unsere Sachen zusammen, trinken einen Abschieds-Cappuccino mit Gerd & Co. und brechen auf. Wir müssen zunächst zurück nach Ajaccio, um dann über die 193 ins Landesinnere zu gelangen. Glücklicherweise ist der Weg erheblich netter als der gestrige. Wir kriegen eine beeindruckende Brücke zu sehen und durchqueren Corte, die heimliche Hauptstadt Korsikas. Eigentlich wollte Hannes in der Universitätsstadt Rast machen. Aber wir beschließen, dass es mehr Sinn macht, möglichst weit in Richtung Hafen von Bastia zu fahren, bevor wir uns eine Pause gönnen. Schon die ganze Zeit ist das Wetter total unbeständig. Sicherheitshalber halten wir deshalb kurz an, um in die Regenklamotten zu steigen. Die Wolken überlegen sich's anders. Es wird heiß. Also wieder raus aus den Kombis. Rund 15 km vor Bastia lassen wir uns in einem kleinen Café nieder. Ich gehe mich erst mal waschen, weil eine dicke Biene ausgerechnet in meinem Gesicht meinte Selbstmord verüben zu müssen und mir dabei sämtliche gesammelten Pollen hinterlassen hat. Nach einem leckeren Milchkaffee, der natürlich mit keinem Cappuccino dieser Welt mithalten kann, folgt der Endspurt zur Fähre.

Wie gut, dass Hans-Jörg sich auskennt. So finden wir uns in Bastia sofort zurecht. Es ergeht uns wie schon auf Sardinien. Um 13.00 Uhr kaufen wir die Billets, checken direkt ein und dampfen pünktlich eine halbe Stunde später ab. Klappt wie am Schnürchen. Auf der Fähre gibt es einen Duty-Free-Shop, der deutschsprachige Zeitungen anbietet. So ist dann auch die Zeit der Überfahrt gerettet.

Rund vier Stunden später legen wir in Livorno an. Von dort ist es nur ein Katzensprung nach Pisa. In unserem Tourbuch heißt es: „Dass der Turm so schief aussieht, hat nichts damit zu tun, dass wir uns an die Kurvenlage so gewöhnt haben. Der muss so aussehen.“ Nichts wie hin da! Endlich gibt es mal eine perfekt ausgeschilderte Strecke in Italien. Wir folgen den Hinweisen „Autostrada“, dann steht auch schon Pisa dran. Zunächst geht es durch malerische Pinienalleen, dann durch eine Industriezone und vorbei an einem Militärflughafen. In Pisa fahren wir natürlich zur „Piazza di miracoli“. Die hat nichts mit einem bekannten Nudel-Fertiggericht zu tun. Haha! Im Ernst: Auch wenn man den Anblick des schiefen Turms von unzähligen Bildern kennt, ist es doch faszinierend, leibhaftig vor dem Bauwerk zu stehen, das schon Galileo Galilei für seine Experimente genutzt hat. Schade, dass man dieses Weltwunder nicht von innen besichtigen konnte, als wir da waren. Aber auch so hat sich der Weg absolut gelohnt.

Leider müssen wir allmählich an die Heimreise denken und wählen den direkten Weg nach Norden. In der Gegend von Modena (man betone die erste Silbe!) wollen wir uns um ein Nachtquartier kümmern. Diese Strecke müsste locker zu schaffen sein. Schließlich sind wir recht gut in der Zeit. Aber dann kommt Lucca. Es gibt tausend Schilder, die den Weg in Orte weisen, die wir auf all unseren Karten nicht finden können. Die Städte, die wir entdecken, liegen genau dort, wo wir nicht hin wollen. Zu glauben, dass wir dann doch einfach nur exakt in die Gegenrichtung fahren brauchen, ist ein gefährlicher Trugschluss. So überqueren wir also wieder und wieder die Bahngleise, verlassen Lucca und sind auch schon wieder am Ortsschild angekommen. Wir versuchen uns durchzufragen. Schade, dass keiner von uns italienisch spricht. Zu allem Überfluss fängt es auch noch an zu regnen. Und das nicht zu knapp. Wir schlüpfen in die Kombis. Axel hat die Faxen dick und schlägt vor nach Pistoia zu fahren, von wo aus mit Sicherheit Modena ausgeschildert sein dürfte. Aber Hannes hat schließlich seinen Stolz und will die Stadt unbedingt bezwingen. Es kann doch auch wirklich nicht angehen, dass vier erwachsene Menschen zu dämlich sind, den richtigen Weg zu finden! Er behält erfreulicherweise Recht. Wir erreichen die korrekte Straße und wollen nun noch möglichst weit vorankommen. Dass es eine Illusion ist, noch bis Modena zu kommen, wird schnell klar. Und tatsächlich: Dunkelheit und Regen bringen uns dazu, uns sehr bald nach Zimmern umzusehen. Außerdem haben wir ja auch einen langen Tag hinter uns. Die Toskana ist beliebt und entsprechend schwer ist es, Unterkünfte zu finden. Römische Verhältnisse! In Bagni di Lucca Terme werden wir fündig. Die Zimmer sind nicht toll aber in Ordnung. Noch ahnen wir nicht, dass direkt gegenüber ein alter Kirchturm steht, dessen Glocke sich ohrenbetäubend stündlich zu Wort meldet, und dass ein kleiner Wasserfall für durchgehendes Rauschen sorgt.

Das an das Hotel angeschlossene Restaurant ist bedauerlicherweise nicht in Betrieb an diesem Abend, weil der Chef schon nach Hause gegangen ist. Schade, denn die Werbung im Hausprospekt hört sich nicht schlecht an: "Die Geschaeftsfuehrung durc dieBesitzer ist Garantie fuer eine sehr gute Aufnahme Spezie die schmackhaften und reichhaltingen Fruehstuecke nerdengeschaetzt. Die kueche, die sehr von der Tradition "lucchese" beeinflusst Wird, bietet Gerichte des einfachen und unverfaelschten Geschmacks an, begleitet von besten weinen, genossen im hellen Saal des restaurants mit dem zauberhaften Blick auf den Fluss Lima." Wie???

Also sehen wir uns nach einer Alternative um und entdecken das „Da Bruno“. Sieht auf den ersten Blick richtig edel aus. Da passen wir mit unserem etwas strengen Geruch, weil ausnahmsweise keine Zeit zum Duschen war, nicht besonders gut rein. Sei's drum! Wir lassen es uns gut gehen und genießen die toskanische Küche.

Tageskilometer: 263 Gesamt: 2.711

Vorspeise: Ricottaklößchen mit Spinat

700 g Spinat waschen, in Salzwasser blanchieren, gut abtropfen lassen und grob hacken. 200 g Ricotta mit Spinat, einem Ei, Salz, Muskat und 30 g geriebenem Parmesankäse zu einem Teig verarbeiten. Daraus kleine Klößchen formen und in eine feuerfeste Form geben. Béchamelsoße und Tomatensoße darüber gießen, Parmesan darauf streuen und im Backofen bei 180 Grad etwa zehn Minuten gratinieren.

Hauptgang: Agnello scottadite

 1200 g Lammfleisch in kleine Stücke schneiden (nicht größer als 2 cm) und gut 15 Minuten über Holzkohle grillen. Für die Soße zwei sehr fein gehackte Knoblauchzehen mit frisch gehacktem Rosmarin, einem Teelöffel fein gehackter Peperoni und wenigen Blättern frischer Minze (fein gehackt) in 12 Esslöffeln Olivenöl verrühren. Die Soße gut mischen und möglichst vier bis fünf Stunden ziehen lassen. Noch mal durchrühren und dann über das heiße Fleisch geben.

Dessert: Fritelle di riso

 150 g Milchreis in 750 ml Milch mit einer Prise Salz und 50 g Zucker kochen, bis die Milch verkocht ist. Sollte der Reis noch zu hart sein, etwas Milch nachgießen. Milchreis einige Stunden im Kühlschrank ziehen lassen. Drei Eier schlagen und mit 3 Esslöffeln Mehl zum Reis geben. Alles gut durchmischen. Mit dem Esslöffel kleine eiförmige Küchlein ausstechen, in wenig Mehl wenden, in heißem Öl frittieren und abtropfen lassen. Die Küchlein mit Puderzucker bestäubt servieren.

 

14. Tag

Der neue Tag beginnt, wie der alte aufgehört hat: mit gutem Essen. Auf dem Frühstücksbüffet liegen Pfirsiche, Croissants und Kuchen. Der Cappuccino ist riesig. Außerdem gibt's erstmals Rührei und Schinken. Nach unserem Aufbruch um 10.15 Uhr erreichen wir schnell den Abetone-Pass, der schöne Kurven, dafür nur wenige Kehren für uns bereithält. Der Straßenbelag ist überwiegend gut. Wir düsen durch einen Märchenwald. Es ist empfindlich kalt. Da kommt es einem auch im Juni nicht komisch vor, dass man an Ski-Schulen vorbeikommt. Vor Modena legt sich heftiger Nebel auf das Land. Man kann kaum noch etwas sehen. Das stört die Biker-Truppe aus Österreich, die geraume Zeit vor uns her fährt, kein bisschen. Unglaublich! Gott sei Dank ändern sich die Sichtverhältnisse schnell wieder. Uns packt der Hunger. Kurz hinter Modena wollen wir uns etwas suchen. In Bastiglia entdecken wir ein kleines Lokal mit zugewachsener Terrasse. Obwohl es recht kühl ist, sitzen wir draußen. Und obwohl es keine Pizza gibt, bleiben wir. Denn dieses Restaurant bietet mexikanische Küche. Mal was Neues. Und irgendwie sind die Strohhüte als Lampenschirme ja auch ganz originell. Das Essen in der „Cantina Messicana“ ist toll. Leckeres Fleisch mit Reis, auf dem eine scharfe Soße thront. Gestärkt kann die Reise in Richtung Verona weitergehen. Man bekommt einen Eindruck von dem Reiz und der Schönheit der Toskana. „Lambrusco“, „Parmegiano“ und „Strada di Olio Olive“ steht auf den Schildern. Hier würde ich mich gern für eine Weinprobe oder zum Oliven knabbern niederlassen. Doch die Zeit reich nicht. Sehenswert sind die Granitwerke vor Verona. Angenehm ist auch, dass wir uns nicht mehr auf Karte und Ortsschilder konzentrieren müssen. Wir brauchen einfach nur auf der ss 12 bleiben.

Weil das dann doch irgendwann zu langweilig wird, biegen wir von dieser Route ab und fahren den Schildern nach in Richtung Lago di Garda. Durch Bardolino (auch durch seinen köstlichen Wein bekannt), Garda und Malcesine kann man herrlich am Ostufer des größten Binnensees Italiens entlang fahren. Da sind natürlich traumhafte Ausblicke drin. Wir machen eine ausgiebige Cappuccino-Pause. Nur wenige Kilometer später müssen wir schon wieder anhalten, weil wir im gesamten Urlaub viel zu wenig Eis genascht haben. Und das in Italien! Das müssen wir ändern. Mal wieder beginnt es zu tröpfeln. Wir kämpfen uns durch bis Riva, verabschieden uns dann endgültig vom Gardasee. Da es schon wieder dunkel wird, und die Straßen schmierig werden, sehen wir uns schnell nach einem Quartier um. In Ponte Arche im Trentino erkundigen wir uns im „Piccolo Hotel Orlandi“ nach Zimmern. So wie das aussieht, denken wir, dass uns der Preis aus den Schuhen hauen wird. Das Gegenteil ist der Fall: Wir haben es mit einer der günstigsten Unterkünfte des gesamten Urlaubs zu tun.

Leider haben wir mal wieder Pech und bekommen im Hotel nichts mehr zu essen. Pech? Eigentlich überhaupt nicht. Die Pizzeria „Don Pedro“ ist bequem zu Fuß zu erreichen. Dort bekommen wir eine richtig üppige italienische Abschluss-Pizza.

Tageskilometer: 344 Gesamt: 3.055

Traditionelle Knusper-Pizza

 

7 g Trockenhefe mit 2 Teelöffeln Zucker mischen und in 180 ml warmes Wasser einrühren. 400 g Mehl und eine Prise Salz in eine Schüssel sieben, die Hefemischung zugeben und alles gut verrühren. Den entstandenen Teig auf einer leicht bemehlten Unterlage zehn Minuten kneten, bis er ganz elastisch ist und dann zu einer runden Fläche ausrollen, die auf ein Backblech passt. 180 ml fertige Tomatensoße auf die Pizza geben und gut verstreichen. 125 g in Streifen geschnittene Salami, einige kleingezupfte Basilikumblättchen, 150 g kleine Pilze, eine in dünne Scheiben geschnittene Zwiebel, eine in Streifen geschnittene Paprika und entsteinte halbierte Oliven darüber verteilen. Nach Geschmack mit Sardellenfilets dekorieren. Mit 100 g geriebenem Mozzarella und geriebenem Parmesan bestreuen und bei 190 Grad eine halbe Stunde backen.

 

15. Tag

Auch der schönste Urlaub geht einmal zu Ende. Es ist noch recht frisch, als wir unsere letzte Motorrad-Etappe gen Meran in Angriff nehmen. Es gibt noch einiges für das Auge. Zum Beispiel entdecke ich den Ortsnamen „Unsere liebe Frau im Wald“. Und endlich weiß ich auch, wo Dorf Tirol liegt. Um 13.00 Uhr kehren wir auf ein Getränk in einem an einer Bergstraße gelegenen Gasthof ein. Dort sitzt bereits eine große Biker-Gruppe. Man testet ein Satelliten-Navigations-System, wie wir erfahren. Weil die Speisekarte so verlockend klingt und wir nicht wissen, wann wir wieder die Gelegenheit haben, essen wir direkt. Hannes macht Bekanntschaft mit superscharfen Peperoncini…

Ein echtes Highlight auf unserem Weg ist der Jaufenpass. Es geht steil hinauf. Zwar ist die Straße bestens in Schuss, dafür ist sie teilweise extrem schmal. Von Kerstin, aber auch von dem Rest der Crew, werden mal wieder Nerven verlangt. Oben ist es saukalt. Wir trinken einen Cappuccino zum Aufwärmen, dann geht es bergab.

Kurz hinter Sterzing fahren wir planmäßig über den Brenner. Natürlich wählen wir nicht die Autobahn und werden dafür in Österreich mit Tempo-Limits bestraft. Macht nichts. Wir gucken uns die Europabrücke von unten an. Auch auf die Olympia-Sprungschanze können wir tatsächlich einen Blick erhaschen, die sich wie eine überdimensionale Rutsche von der Landschaft abhebt. Auf der 313 gehen wir bei Mittenwald über die Grenze und schlüpfen erst mal in Pullis und Regenklamotten, weil es immer kälter wird. Willkommen in Deutschland! Am Abend treffen wir wieder in Germering ein, wo wir am nächsten Tag die Bikes wieder in den Hänger laden, um dann über die Autobahn nach Hause zu fahren.

Tageskilometer: 400 Gesamt: 3.455

 

 

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