Im Lande der Trüffel und des Weines

Von der ligurischen Küste nach Alba

 

Unsere Tour beginnt in Spotorno, südlich von Savona an der Via Aurelia gelegen. Östlich Spotornos bietet sich ein wundervoller Blick aufs Meer, zumindest wenn man sich gen Westen richtet. Östlich, in Richtung Savona beginnt leider auch schon die Optik der Industrialisierung der Region das Bild zu bestimmen.

 

 

So bedarf denn auch der erste Teil unserer Tour, die S 29 in Richtung Carcare weniger der Beschreibung, wir sind froh, den industriellen Teil der Region hinter uns lassen zu können. Ab Cairo Montenotte ändert sich das Bild zunehmends, die Region wird waldreicher und kurviger, doch, wie sich herausstellen wird, ist das erst der Einstieg, es kommt noch besser. Nördlich von Dego, über die n 30 erreichen wir Piana Crixia, das mit zwei Sehenswürdigkeiten besonderer Art aufwartet. Leider ist die eine, das Restaurant Castello del Fungo leider geschlossen. So können wir dem Tip Petra Balzers (Die schönsten Routen an der italienischen Riviera) nicht nachkommen, aber uns ist ohnehin eher nach Motorradfahren zumute, so daß sich der Schmerz in Grenzen hält.

 

Die zweite Sehenswürdigkeit, den 15 Meter hohen Steinpilz, lassen wir uns nicht entgehen.

 

Nördlich Piana Crixia`s beginnt eine der schönsten Strecken dieser Tour. Die Fahrt durch das Naturreservat Langhe di Piane Prixia wird sowohl vom landschaftlichen, wie vom fahrerischen her zum Erlebnis. Die Landschaft verkarstet zunehmends und der in Ligurien in weiten Teilen üppig wachsende Wald wird hier zurückgedrängt und macht einem malerischen Bild alpiner Landschaft Platz. Wunderschön und kurvig, das swingen macht hier wirklich Spaß, aber man sollte sich immer mal wieder die Zeit für einen ausgedehnten Blick auf die Landschaft nehmen, sie ist es wert. Abgelöst wird der Karst durch eine von sanften Hügeln bestimmte Landschaft, deren herausragendes Merkmal der Weinbau ist. Einen ersten Eindruck davon gewinnen wir auf unserer Fahrt nach Bergolo, einem Künstlerdorf in den Bergen.

 

 

 

Das Künstlerdorf Bergolo

 

 

 

Leider sind die Mitnahmekapazitäten für Kunst auf Motorrädern überdurchschnittlich beschränkt, so daß wir den Versuch, eine der Ausstellungen zu besichtigen unterlassen. Zumal es um die Mittagszeit und diese in Italien ohnehin eher eine Zeit der Ruhe und Muße ist, denn der Geschäfte. Und eine Besichtigung ohne Kaufinteresse scheint uns den Künstlern gegenüber auch nicht sonderlich fair. Immerhin sind allein die Bilder an den Hausmauern eine Besichtigung wert und Fahrt nach Bergolo ist ohnehin ein Erlebnis.

 

 

 

Nordwestlich Bergolos beginnen wir von der vorgeschlagenen Piemont-Route unseres Motorrad-Reiseführers abzuweichen und widmen unser Interesse Landschaft und Kultur eines der schönsten Weinbaugebiete Italiens, der Langhe südlich der Stadt Alba.

 

 

 

Über Monforte d`Alba, Roddino, Montelupo Albese und Diano d`Alba führt unser Weg durch liebliche Weinhügel nach Grinzane Cavour, eine mittelalterliche Burg südlich von Alba. Die Burg, von quadratischem Grundriß, bietet schon von weitem einen imposanten Anblick, auch hier sollte die Zeit und die Muße für eine Besichtigung nicht fehlen. Die dort vorhandene Önothek stellt alles, was bis zu diesem Zeitpunkt sahen, komplett in den Schatten. Die in den Schaukästen ausgestellten Weine sind von erheblichem Wert, wir wagen nicht auszurechnen, was hier an Werten versammelt ist.

 

 

 

Das Schloß von Grinzane Cavour...

 

 

 

 

 

 

... und sein Weinkeller.

 

 

 

 

Wer möchte, kann probieren, ein Vergnügen, das wir angesichts der noch bevorstehenden Weiterfahrt jedoch unterlassen, zumal wir in Alba ohnehin eine Übernachtung mit Besuch eines Restaurants und einer Önothek, die nicht nur Weine, sondern auch erlesene Grappe der Region bieten, eingeplant haben. Für motorradfahrende Weinliebhaber ist diese Gegend eben eine ständige Versuchung - aber soviel Vernunft sollte angesichts der teilweise recht abenteuerlichen Straßenverhältnisse und des mitunter recht stürmischen italienischen Fahrstils schon verbleiben. Mehr als einmal waren Reaktionsschnelligkeit und Konzentration zur Unfallvermeidung angesagt, vor allem dann, wenn man selbst einmal etwas schneller zugange war, die Kurven sind alles andere als ausladend und mitunter kommen einem auch schon mal Kleinlaster, PKW oder die in Italien weit verbreiteten Roller auf der eigenen Spur entgegen. Letztere gehören mitunter zur wagemutigen Sorte der mit Badeschlappen und T-Shirt bewaffneten Zweiradkamikaze, was angesichts der Temperaturen verständlich erscheint, im Falle eines Unfalls jedoch kaum die Überlebenschancen erhöhen dürfte. Immerhin ist in Italien mittlerweile die Helmpflicht eingeführt worden, und offensichtlich wird diese auch mit Geldbußen durchgesetzt. Sowohl Roller- wie auch Motorradfahrer halten sich jedenfalls im Unterschied zu früheren Jahren daran.

 

Von Grinzane Cavour aus fahren wir nach Alba, der Stadt der Türme und der Trüffel. Hier in Alba finden sich neben schwarzen auch weiße Trüffel, letztere sollen, wir konnten es leider nicht probieren, da diese offensichtlich erst im Herbst angeboten werden, eine besondere Delikatesse sein. Aber auch mit dieser kleinen Einschränkung war unsere Reise hier ein voller kulinarischer Erfolg, unser Menü, bestehend aus drei Gängen, natürlich auch mit Trüffel und einer Flasche des Barolo-Weines, war einfach köstlich und, zu unserer großen Überraschung, auch preislich durchaus zu vertreten. Wir hatten jedenfalls alle drei schon die Erfahrung deutlich teurerer, aber schlechterer Küche gemacht. Und so empfehlen wir unser Restaurant, das la Torre von Alba, gern zum weiteren Besuch. Empfehlenswert, sollten Sie sich zum Besuch des Restaurants entschließen, ist auf jeden Fall eine vorhergehende Tischreservierung, die wenigen Tische im Freien sind bereits wenige Minuten nach Öffnung des Restaurants komplett besetzt.

 

 

 

Die historische Innenstadt Albas sollte ausgiebig zu Fuß erkundet werden, sehenswert ist neben den Geschlechtertürmen vor allem auch der Dom.

Die Architektur vieler Häuser des historischen Stadtkerns Albas verweist auf die einstige historische Bedeutung Albas, wenngleich auch einige der Häuser in einem nicht ganz so ansehnlichen Zustand sind.

Am nächsten Tag fahren wir über kleine Landstrassen in Richtung Barolo, dem Ort eines der bekanntesten italienischen Weine.

Unbedingt sollte sich der Besucher des Ortes die Zeit für die Besichtigung des Schlosses von Barolo nehmen. Sehenswert sind hier nicht nur die Bibliothek mit fast 3000 antiken Bänden, sondern auch das Museo delle Contadineric, das bäuerliche Museum und die kunstvoll gestaltete Eingangshalle.

Im 10. Jahrhundert als Bollwerk gegen die Sarazeneneinfälle errichtet und über die nächsten Jahrhunderte hinweg aus- und umgebaut, ist das Schloß mehr als eine Besichtigung wert. Wir haben Glück, und statt der normalerweise angebotenen Führung wird ein kleines Theaterstück zur Geschichte des Schlosses von vier reizenden jungen Damen aufgeführt.  Leider ist das Theaterstück komplett auf italienisch, und wir haben keine Chance, dem Gebotenen inhaltlich zu folgen. Bestandteil des Schlosses ist zudem eine Önothek, auf deren Besuch wir angesichts unserer geplanten Weiterfahrt jedoch verzichten, so sehr es auch lockt, den berühmten Barolowein an seinem Ursprungsort zu verkosten.

 

Unsere nächste Station ist die historische Altstadt Doglianis, einschließlich der Besichtigung der örtlichen Kirche. Über Murazzano geht es weiter bis zur Abzweigung nach Ceva, die dortige Strecke, von der N. 661 abzweigend, nach Ceva sollte sich als eine der schönsten kurvenreichen Strecken unserer Piemont-Tour erweisen. Aber noch haben wir nicht genug vom Kurvenspaß und von der Landschaft und beschließen auf dem Rückweg einen Abstecher in die Bormida Täler und den Lago di Osseglia.

Von Ceva aus halten wir uns in Richtung Südwesten bis Millesimo, um von dort aus auf kleinen und kleinsten Bergstraßen in Richtung Colle die Melogno zu bummeln. Der Abstecher hat sich gelohnt. Die waldreiche Gegend rund um den Lago di Osseglia mit den kleinen Örtchen und eine fast völlig vom Verkehr verschonte Gegend bilden einen würdigen Abschluss dieser Tour. Vom Colle di Melogno aus halten wir uns dann in Richtung Finale Ligure und erleben ein weiteres Mal, wie heftig die Unwetter die Strassen geschädigt hatten. Ein Teil der Strasse ist in fürchterlichem Zustand und ich bin heilfroh, die gewiss nicht schottergeeignete Deauville endlich über diese Strecke von ca. 4 Kilometern bestehend aus Steinen, Schlaglöchern und sonstigen Unwägbarkeiten, heil herabgebracht zu haben.

Gelohnt haben sich die Tage im Piemont allemal, nicht nur wegen der landschaftlichen, auch der kulinarischen Genüsse wegen.

Autor: Peter Dippold

 

 

Unser neues Projekt ist online: Mein Baden-Baden

Datenschutz und Impressum