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Blick auf Neapel

Unsere große Süditalientour, die innerhalb von drei Wochen vier Regionen umfassen soll, beginnt in Neapel, das wir spät abends erreichen. Nachdem wir endlich in der Nähe unserer Unterkunft einen akzeptablen Parkplatz gefunden hatten, die Altstadtgassen Neapels sind abenteuerlich, wagen wir gegen 22.30 Uhr noch einen ersten kleinen Stadtrundgang mit dem Ziel, Essbares zu finden, was sich unerwarteterweise als nicht einfaches Unterfangen erweist. Im Unterschied zu unseren sonstigen Italienerfahrungen, haben die meisten Restaurants um diese Zeit in Neapel schon geschlossen, eine für uns neue Erfahrung.

 Wir lassen uns nicht entmutigen und finden dennoch eine Pizzeria, die überwiegend von jungen Leuten besucht ist und eine recht gute Pizza samt greuslichen Wein serviert. Egal, wir sind nach der langen Anreise erst mal zufrieden, und verschlafen am darauffolgenden Morgen erst mal, was prompt zu einem "Knollen" auf dem öffentlichen Parkplatz führt. Es sollte nicht unser letzter im Verlauf der drei Urlaubswochen bleiben. Auf Empfehlung unseres Unterkunftsvermieters, eine traumhafte Unterkunft inmitten der Altstadt, die selbst schon fast wie ein Museum aussieht, parken wir für unsere beiden Neapel-Besuchstage in einer vermieteten Garage und wissen unser Auto sicher. Neapel selbst gewinnt unser Herz rasch, die hügelige Stadt erkunden wir mit öffentlichen Verkehrsmitteln und zu Fuß, insbesondere die Altstadt ist schlicht nicht für Autos gebaut. Außerdem macht es einen Heidenspaß mit den Funiculare die Hügel Neapels zu erkunden. Die Altstadt selbst befindet sich in einem Zustand baulicher Veränderung und Renovierung, den wir so nicht erwartet hatten. Viele, teils wunderschöne alte Gebäude werden derzeit mit großem Aufwand saniert, Neapel hat sich für die Zukunft viel vorgenommen.

n.


Wandmalerei in Pompei - ausgestellt im Museo Archeologico Nationale von Neapel

Natürlich prägt der über dem Golf von Neapel thronende Vesuv die Landschaft, die wir von den Hügeln aus ebenso genießen können, wie den Blick auf die quirlige und belebte Altstadt.

Der Vesuv ist heute der einzige verbliebene aktive Vulkan auf dem Festland Europas, untrennbar mit seinem Namen verbunden Pompei und Erculaneo, zwei römische Städte, die vom großen Ausbruch 97 n. Chr. verschüttet wurden.

Einen halben Tag verbringen wir im Museo Archeologico Nationale von Neapel, eines der größten Museen antiker Kunst in Europa. Die Ausgrabungen in Pompei und Herculaneum machten 1822 den Bau des Museums erforderlich, die Zahl der Fundstücke war für den vorherigen Aufbewahrungsort einfach zu hoch. Wer plant, Pompei und Herkulaneum zu besuchen, sollte unbedingt zuvor im Museo Archeologico in Neapel vorbeisehen, das unter anderem auch die Sammlung erotischer Kunst "Il Gabinetto Segreto" enthält. Die königlichen Archäologen des 18. und 19. Jahrhunderts waren ob der Fundstücke erotischer Kunst schlichtweg entsetzt und ließen diese direkt nach dem Auffinden in einer Geheimsammlung verschwinden, die lediglich wenigen Personen "reifen Alters und verbürgter Moral" zugänglich waren. Aus Sicht des antiken Menschen, dessen Gottheiten einen sehr irdischen Lebens- und mitunter Lustwandel pflegten, war diese Kunst weit weniger verwerflich oder aufsehenerregend. Nun immerhin, seit dem Jahr 2000 ist es auch dem Normalsterblichen erlaubt im Museo Archeologico von Neapel das "Gabinetto Segreto" zu besichtigen.

Wie gesagt, ein wenig haben wir uns in Neapel verliebt und möchten allen, die die Region besuchen, empfehlen, doch einen oder zwei Tage für den Besuch dieser quirligen und lebendigen Stadt einzuplanen.

Wenige Kilometer von Neapel entfernt besuchen wir Pompei und Herkulaneum, beide Städte wurden beim Ausbruch des Vesuv 79 n. Chr. komplett unter einer meterhohen Lavaschicht begraben und boten gerade deshalb den Archäologen eine Fundgrube an Gegenständen und Bauten zur Erforschung antiken Lebens.


Pompei: Blick auf den Vesuv

Pompei, auf dem Bild mit dem Vesuv im Hintergrund, wird jährlich von mehren millionen Touristen besucht, was zu nicht unerheblichen Wartezeiten schon beim Einlass führt. Die einzelnen Ausstellungsstücke wie der Faun sind heute natürlich Nachbildungen, die Originale stehen in den Museen der Welt. Beeindruckend ist der Besuch dennoch, ein leichtes Gruseln überkommt einen im Garten der Flüchtenden, wo Menschen an den Gasen des Vesuvausbruchs erstickten und von der Lava konserviert wurden. Hier wird das Ausmaß der Katastrophe des Ausbruchs direkt erfahrbar, die Nachbildungen der gefundenen mumifizierten Personen vermitteln einen bedrückenden Eindruck der Katastrophe, die über eine blühende, lebendige Siedlung hereinbrach.

Nach diesen, teilweise sehr bedrückenden Eindrücken, sind wir froh entlang der berühmten Küstenstraße, der Amalfitana, fahren und einen ersten Eindruck einer der schönsten Küsten Europas gewinnen zu dürfen. Die Amalfitana ist eine Wucht, die teilweise sehr schmale Küstenstrasse verbindet zauberhafte kleine Ortschaften und Städtchen zu einem Gesamtgemälde, wie wir es uns schöner kaum vorstellen können.

 

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