Schwedenimpressionen: Wasser - Sonne - Wälder

 

Ein Tourenbericht von Mathias Hümme

 

 

 

Zu Beginn lasst mich bitte vorweg bemerken, dass diese Tour bereits im Jahr 1998 stattgefunden hat, aber die Erinnerung hält sie noch lange aktuell und bei Treffen mit Mitfahrern sprechen noch oft davon. Dies ist bereits die zweite Tour ins Land der Trolle.

 

Das Reiseziel war Schweden und zwar genauer gesagt die Provinz Västergötland und Bohuslän. Beide Provinzen liegen nordöstlich bzw. Nördlich von Göteborg. Västergötland ist das Gebiet zwischen dem Vänern- und Vätternsee und Bohuslän ist die traumhafte Schärenküste am Skagerrak. Ausgangspunkt der Fahrt war Göteborg. Göteborg ist wahlweise zu erreichen über die Vogelfluglinie mit Fährfahrten Puttgarden- Rödby und Helsingör- Helsingborg, oder der direkte Seeweg von Kiel nach Göteborg. Dies ist die teurere Möglichkeit, aber recht bequem. Wir entscheiden uns allerdings für den etwas umständlicheren Weg via Dänemark. Liegt aber daran, dass wir fast alle aus Lübeck kommen und noch keinen langen Anfahrtsweg hinter uns haben. Dann sind die ca. 500 km bis Göteborg kein Problem.

 

 

 

 

1. Tag

 

Da wir schon sehr früh Göteborg erreicht hätten und das Wetter supersonnig und warm war, beschlossen wir, in Kungsbakka von der Autobahn abzufahren und uns quer ab die Landschaft anzusehen. Ein wirklich empfehlenswerter Abstecher, wie ich meine. Die Straße, gut ausgebaut recht kurvenreich und mit wenig Verkehr, führt uns durch sanfte bewaldete Hügel. Immer wieder tauchen plötzlich stahlblaue Seen auf. Es duftet nach Wiesengras und Waldboden.

 

Nach herrlicher Fahrt erreichen wir gegen 18:00 Uhr unser Tagesziel.

 

Unser erstes Quartier war wieder das Haus unserer Bekannten in Göteborg.

 

 

 

2. Tag

 

Der zweite Tag ist eine Tagesfahrt nach Bohuslän. Morgens um 9:00 Uhr geht es los.

 

Die Sonne lacht, es ist morgens schon warm. Wir brechen auf in Richtung Norden. Das erste Stück über die Autobahn bis zur Abfahrt Stenungsund. Hier geht es über eine sehr schöne Hängebrücke auf die Insel Tjörn.

 

Unter uns die felsige zerklüftete Küste und das sich in der Sonne spiegelnde Wasser.

 

Weiter geht es auf der gut ausgebauten Straße zum Inselhüpfen. In langen und kürzeren Kurven mit wunderschönen Aussichten, die uns immer wieder zum Anhalten auffordern, fahren wir über die Insel Orust zur Straße 161 Richtung Grundsund. Grundsund ist wohl einer der nettesten Orte in der Gegend. Der Ortskern ist für Autos und Motorräder gesperrt. Der Ort zieht sich entlang eines Flusses und die Häuser haben Zugänge über die Bootsanleger.

 

Von hier aus geht zurück zur Fähre nach Lysekil. Sicherlich der Hauptort für Touristen, aber nicht überlaufen, jedoch mit viel Flair und einer netten kleinen Fußgängerzone. Außerdem beschlossen wir, eine kleine Badepause einzulegen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Von hier fahren wir auf verschlungenen Strassen nach Smögen. Hier kann man nach Herzenslust Fisch oder Krebse essen. Wer es denn mag. Aber auch für jemanden, der nicht so gerne Fisch ist, ist es ein Erlebnis. Die Ware ist absolut frisch und es duftet appetitlich.

 

 

 

 

 

3. und 4. Tag

 

Die nächsten beide Tage führen uns an die großen Seen Vättern und Vänern. Wobei die Bezeichnung See etwas geheuchelt ist. Zumindest ist der Vänern so groß wie ein kleines Meer.

 

Da wir uns für diesen Teil der Reise viel Zeit nehmen wollten, haben wir beschlossen, uns in Karlsborg eine Übernachtungsmöglichkeit zu suchen. Wir entschlossen uns, die Übernachtung in einem sogenannten Vandrerhjem zu buchen. Bei uns Landläufig die Jugendherbergen.

 

Als wir dort anriefen erfuhren wir, dass das Heim zu dieser Jahreszeit nicht mehr personell besetzt sei. Es sei aber gar kein Problem, wir würden bei unserer Ankunft in einem Briefkasten einen Brief mit unserem Namen finden, in dem sei der Schlüssel zu finden. So gerüstet fuhren wir los. Zuerst nach Boras und weiter in Richtung Jönköping, aber auf der Nebenstrecke, die uns zwar mehr Zeit gekostet hat, aber im Nachhinein die richtige Entscheidung war. Nördlich von Jönköping treffen wir auf den Vättern See. Schon von weitem sieht man den blauen Wasserspiegel. Die Strecke führt uns entlang der Uferlinie bis nach Hjo.

 

Dort gibt es eine kleine Promenade, die wir zum verweilen nutzen. Nun geht es auf zur letzten Tagesetappe, am See entlang nach Karlsborg. Das Vandrerhjem ist schnell gefunden und liegt eingerahmt zwischen dem See und der Festung Karlsborg. Dies ist eine noch heute benutzte Garnison, die aber frei zugänglich ist. Der Hausschlüssel war wie besprochen im Briefkasten. Wir hatten ein riesiges Zimmer mit 4 Betten. Die Sanitäranlagen waren sehr sauber und die Duschen waren in einem Superzustand. Dieses Haus ist absolut zu empfehlen. Am Morgen, wir hatten keine Lust uns selber Kaffee zu machen, sind wir in ein benachbartes Hotel und haben ein fürstliches Frühstücksbüffet gehabt, für einen Preis in dem ich in deutschen Hotels gerade ein Brötchen mit Marmelade bekomme.

 

Auch am nächsten Morgen lachte wieder die Sonne. Also machten wir uns frohgemut auf den Weg zum Vänernsee. Bevor wir jedoch den See erreichten, wollten wir uns eine alte Schleuse des Götakanals ansehen. Wir erreichten den Kanal in Törreboda.

 

Der Kanal ist ein sehr schmales blaues Band in der Landschaft. Hier in Törreboda ist neben der neuen Brücke die alte Drehbrücke erhalten worden. Ein interessanter Blick in die Technik von damals.

 

Von hier ging es weiter über Mariestad bis Lidköping und von hier sind wir abgebogen zum Schloss Läckö. Die Straße war eine einzige Freude. Schmal, kurvenreich, wenig befahren. Leider war die Fahrt viel zu kurz. Das Schloss Läckö liegt am Ende einer Halbinsel die in den Vänernsee hineinragt, und somit von drei Seiten vom Wasser umgeben ist. Die Schlossbesichtigung ist wie bei vielen Sehenswürdigkeiten in Schweden kostenlos.

 

Nach eingehender Besichtigung machen wir uns auf den Weg nach Trollhättan, einem riesigen Wasserkraftwerk, welches in die Felsen gesprengt wurde. Hier wurde der Wasserfall der Göta Älv trockengelegt. Jedoch wird aus touristischen Gründen im Sommer am Samstag wieder ein Teil des Wasser ins alte Flussbett geleitet. Aber auch trocken ist das Kraftwerk einen Besuch wert. Wenn man auf die Aussichtsplattform geht, merkt man das vibrieren der Turbinen im Fels tief unter einem.

 

Die vorhandenen Informationstafeln, die die Entstehung des Kraftwerkes beschreiben, sind ausgesprochen lehrreich und gut verständlich.

 

Da das Wetter immer noch superwarm ist und auch am Nachmittag die Sonne noch scheint, beschließen wir, nicht auf direktem Weg nach Göteborg zu fahren, sondern noch einen Umweg über Uddevalla und die Schärenküste machen. Und uns mal wieder den südländischen Flair dieser Gegend anzuschauen und dann zwar geschafft, aber glücklich wieder unser Quartier in Göteborg zu erreichen.

 

 

 

5. Tag

 

Noch einmal Inselhüpfen, weil wir alle nicht genug bekommen konnten.

 

Ein großer Vorteil in Schweden ist der, das Fähren auf Inseln, für die es keine Brücken gibt, kostenlos zu benutzen sind. Die Wartezeiten sind in der Regel sehr kurz, jedoch kann es mal vorkommen, dass gerade Mittagspause ist.

 

 

 

 

 

 

6. Tag

 

Die Heimreise treten wir über Dänemark an, weil wir mit der Schnellfähre nach Fredrikshavn fahren wollen. Es ist etwas schwierig Fährkarten zu bekommen. Von Göteborg fahren zwei Katamarane, der eine von Stenaline und der andere von SeaCat. Wir bekamen noch Plätze auf der SeaCat.

 

Nachdem wir unsere Motorräder festgeschnallt hatten,

 

Legten wir ab. So ein Schiff ist doch sehr beeindruckend. Die Hafenausfahrt erleben wir auf dem Oberdeck. Es geht noch sehr langsam zwischen den Schären entlang. Je weiter wir auf das offene Meer hinauslaufen, desto schneller wird die Fahrt. Es wird auf Deck recht unangenehm. Der Fahrtwind lässt uns nur noch schräg gehen und stehen. Wir beschließen, unter Deck zu gehen. Das Schiff kommt einem eher wie ein Flugzeug vor. Bequeme Sessel, große Fensterflächen und angenehme Atmosphäre. Das Schiff fliegt mit 42 Knoten über das Wasser, das sind glaube ich so 70 bis 72 Stundenkilometer. Ein langer Schweif Gischt wird nach hinten aus dem Rumpf gepresst und vernebelt den Blick. Nach nur 90 Minuten erreichen wir Dänemark und fahren gemütlich nach Hause.

 

Schweden mal anders.

 

Mit südlichem Flair, super abwechslungsreiche Landschaft, freundlichen und hilfsbereite Menschen treffen. Eine lohnende Fahrt und bei Übernachtungen im Vandrerehjem auch noch sehr preiswert. Tagesfahrten zwischen 250 und 350 km, prima Straßen und recht wenig Verkehr, mit Ausnahme von Göteborg. Wie das halt bei Großstädten so ist.

 

Übrigens ist Schweden nicht mehr das teure Reiseland. Der Wechselkurs ist ca. 1:4 und die Preise sind in etwa auf deutschem Niveau.

 

Ich würde mich freuen, wenn Ihr durch diesen Bericht mal eine Schwedentour unternehmt. Auch eine Reaktion von Euch fände ich toll.

 

Tourenbericht von: Mathias Hümme (email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!)

 

 

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