Slowenien - Rauh und schön

 

eingesandt von Dorothee und Walter Mühlenbruch

 

 

 

 

Endlich! Seit dem letzten Jahresurlaub sind lange 49 Wochen vergangen! Kaum zu glauben aber wir haben sie geschafft. Nachdem wir letztes Jahr durch Slowenien nach Kroatien gefahren sind, wollen wir in diesem Jahr das Ländchen genauer kennen lernen.

 

Wie wir uns vorbereitet haben:

 

Den Slowenien Reiseführer von Dumont hatten wir schon im Vorjahr gekauft, so das erste Anhaltspunkte schon da waren. Tipps aus dem Boxer Forum kamen nur über die bekannten Ecken Sloweniens. So jetzt wissen wir auf jeden Fall schon mal, das Slowenien noch nicht sehr bekannt ist.

 

Als nächstes haben wir uns von der Slowenischen Fremdenverkehrszentrale Unterlagen zuschicken lassen. Diese Informationen sind übrigens super umfangreich.

 

Da wir gar nicht wissen was auf uns zukommt, haben wir uns auch mit reichlich Material über Übernachtungsmöglichkeiten bewaffnet: z.B. gibt es in Slowenien Touristische Bauernhöfe, aber da später mehr zu.

 

 

 

Die Reise

 

 

 

1. Tag

 

Warum beginnt ein Urlaub auf den man sich so freut sooo schrecklich! Aufstehen 3 Uhr in der Früh! Im strömendem Regen um 4 Uhr zum Reisezug nach Köln! Das ist für uns eine gute Stunde Fahrt! Wer sich erinnert, wir haben den Jahrhundertsommer schlechthin und heute ist der Wetterumschwung da! Der Zug hat auch noch eine Stunde Verspätung!

 

Aber jetzt heißt es URLAUB!

 

Rauf auf die Liegebank und erst einmal 1 Stunde Schlaf nach holen. Wir kommen um 14 Uhr nach Plan bei leichtem Nieselwetter in München an, na ist doch okay, da der Wetterbericht viel schlimmeres gemeldet hat. Da wir von München aus durch Österreich, Großglockner usw., nach Slowenien wollen, haben wir für heute und morgen jeweils ein Zimmer vorgebucht. So ist es egal wie lange wir fahren, wir müssen abends keinen Zimmerstress mehr machen.

 

Da das Wetter nicht so toll ist, fahren wir auch direkt nach Fügen zu unserer Pension. Gut so! Regen ohne Ende strömt über unsere Häupter, Gott sei dank erst als wir angekommen sind. Allerdings zum Essen gehen, (trotz Regenjacken und Schirm, ja, der erfahrene Biker ist gut ausgerüstet!) werden wir noch nass.. Aber mit kühlem Weizenbier und Humor erträgt man alles.

 

 

 

2.Tag

 

 

 

Strahlender Sonnenschein! Wir freuen uns! Es geht über den Gerlospaß zur Großglockner Panoramastraße, oft gesehen aber immer wieder schön! Weiter über Heiligenblut runter bis Lienz, von dort über den Gailbergsattel auf die Karnische Dolomiten Straße nach Tröpolach.

 

Eigentlich wollten wir noch ein bisschen mehr fahren, doch die letzten 40 km hat es wieder stark geregnet so dass wir lieber Schluss machen. Die Temperatur heute war schwankend zwischen 16 Grad und 30 Grad! In Tröpolach übernachten wir im Gasthaus Winkler, einem Tourenfahrer Partnerhaus, wo auch viele andere Mopedfahrer waren. Die Stimmung war Super, schöner Abend.

 

 

 

 

 

3.Tag

 

Leider regnet es wieder etwas als wir los fahren wollen. Schade! Geplant war es über den Nassfeldpass nach Tarvisio, dann über den Predil Pass, die Mangartstrasse mitnehmend nach Slowenien zu fahren.

 

Soweit der Plan! Nun die Tat!

 

Der Nassfeldpass ist gesperrt, wir können nur auf der Umgehungsstrasse über Tarvisio den Predil Pass erreichen. Der REGEN! Wir haben wirklich gedacht lächle und sei froh es könnte schlimmer kommen! Und wir lächelten und waren froh und es kam schlimmer! 10 km westlich von uns steht genau in diesem Moment ein Dorf in Italien wegen Murenabgänge vor der Evakuierung. In jeder Kehre Schlamm, Steine und Schilder mit Erdrutschgefahr. Es war echt fürchterlich. Als wir unten ankamen, war die Polizei gerade dabei auch diesen Pass zu sperren, wir sind so gerade noch drüber, aber ob es das wert war?

 

Wir haben keine andere Wahl: Der nächste Ort heißt Bovec, dort gehen wir ins Alp-Hotel und stellen unsere Sachen in den Trockenraum. Ihr könnt Euch vorstellen, es gab nicht mehr viel trockenes an uns und haben unseren Tourentag für heute beendet.

 

Hurra, wir sind in Slowenien!

 

Übrigens Fotos gibt es vom heutigen Tag keine.

 

 

 

4.Tag

 

Heute machen wir gut ausgeschlafen eine sehr lange Tour. Sie führt uns zuerst am Socca Tal vorbei in das Vipava Tal, hier tobt heute kräftig die Bora und es ist kalt aber wieder sonnig. Die Landschaft ist geprägt vom Weinanbau, die Berge sind nicht sehr hoch, auf den Bergkuppen sieht man immer wieder alte Burgen und alte befestigte Städtchen. Eine Burg sehen wir uns an: die Predjamska grad. FANTASTISCH! Weiter geht es an Postojna vorbei zum Cerknico jezero, der See der nur im Herbst und Winter nach ergiebigen Regenfällen da ist. Ist schon verrückt, man umfährt auf einer kleinen Schotterstraße, ca. 25 km, einen See und sieht ihn nicht. Übriggeblieben sind nur Gräser, Schilf und tote Fische.

 

Nach einem sehr reichhaltigen Mittag (Junge, Junge die Slovenen verstehen zu kochen! Lecker, üppig, einfach mmmh) geht es ins Tal der Krka! Schön sag ich Euch! Kurven bis der Arzt kommt, tolle Straßen, kein Verkehr, fantastische Landschaft, kein Wunder das es heute spät wird.

 

nehmen Quartier in einem der touristischen Bauernhöfe. Und zwar direkt am Fluß Krka. Man muss sich das vorstellen! Du kommst an, machst das Zimmer klar, direkt am Fluss gibt es Holzbänke und –tische. Du setzt Dich hin und genießt, e` lecker Fläschken Bier in de Hand, das Leben. Da kommt die Bäuerin mit einem Eimer frisch gefangener Forellen vorbei, fängt an sie im Fluss zu waschen und fragt Dich ob Du zum Abendbrot Lust auf eine hast. Fragen? Servieren! Und das schmeckte! Als erstes gibt es Möhrensuppe, dann gebackene Forelle mit Pommes und einer Riesenschüssel Salat! Das Zimmer ist auch sehr gut, wir haben wunderbar geschlafen!

 

Übrigens: Übernachtung mit einen Riesenfrühstück, deftig und viel, Abendbrot, 6 Fl. Bier und ein Slivowitz nur 53,- Euro für beide!

 

 

 

5.Tag

 

Der heutige Fahrtag fängt etwas bedeckt an, wird gegen Mittag aber sehr sonnig und auch wieder wärmer. Wir fahren zuerst an der Krka vorbei zur Quelle, leider herrscht kein Niedrigwasser so das wir nicht in die Höhlen zum unterirdischen See hinein können. Ist aber trotzdem wunderschön.

 

Postkartenidylle fast kitschig: ganz leise plätschert das Wasser aus verschiedenen Zuläufen aus dem Berg in den hier beginnenden Fluss, welcher, bevor er in Kroatien ins Meer geht, zu den bekannten Krker Wasserfällen wird. Und so geht der heutige Tag auch weiter:

 

Wir sind ganz alleine. Die Straße gehört fast uns, kleine Dörfer am Rande der Krka, mal ein kleiner Strudel, mal ganz ruhig fließt der Fluss dahin. Dunkelgrün das Wasser, sanft geformte Berge, strahlend blauer Himmel. Wir verlassen das Tal der Krka, aber die Gegend bleibt gleich. Ab und zu halten wir einmal an um ein kleines Städtchen zu besuchen, es gibt deren einige. Alte Marktplätze, Flüsse die durch die Städtchen fließen, alte Holzbrücken- kaum zu glauben das die noch tragfähig sind, Holzschnitzereien, ach es gibt soviel, man kann es gar nicht alles aufzählen...

 

Wir machen heute Rast in Ptuj. Eine Stadt an der ehemaligen Perlenstraße, eine Stadt die von alten Kulturschätzen und Reichtum jede Menge zu bieten hat. Leider sieht man in unserer Unterkunft, einem 2** Sterne Hotel, das einzige mit Garage, nicht`s davon. Na ja, wir wollen mal durch` ne Stadt laufen, das Zimmer ist ja nur zum schlafen. Also los! Wer Kultur mag kann sich hier wirklich austoben, da wir schönes Wetter haben ist auch auf den Straßen (alles Fußgänger Bereich) viel los. Gegen 19 Uhr wollen wir zum Essen, aber was ist jetzt los? Sämtliche Lokale schließen ihre Küchen um 18 Uhr! Hast Du da noch Worte?

 

Na eines gibt es noch, wir wollten es zwar meiden, da es ein richtiges nobles Feinschmeckerlokal zu sein schien, aber wir haben für ein kleines Geld sehr gut gespeist! Wieder ein gelungener Tag!

 

 

 

6.Tag

 

Wir haben echt schlecht geschlafen, jeder Knochen tut weh, das Frühstück eher mäßig, na, es kann nur besser werden. Im Vergleich zu Sonntag (Predil Pass), wird es auch ein Super Tag!

 

Zuerst einmal, es ist toller Sonnenschein, und wir fahren von Ptuj Richtung Lendava, direkt an die ungarische Grenze.

 

Allerdings fahren wir nicht die Hauptstrasse, sondern kleine einspurige Strassen, die uns hinauf in die Weinberge führen. Wenn wir gestern schon ins schwärmen gekommen sind, so fehlen hier fast die Worte. Wer kennt alte klappernde Windräder, die in den Weingärten die Vögel vertreiben sollen. Zwischen den Gärten stehen die Anwesen der Weinbauern. Soweit Du gucken kannst nur schön und Idylle pur. Auf einer Bergkuppe befindet sich die Gaststätte Taverna. Hier halten wir an um eine 2. Tasse Kaffee zu genießen, fast schon schade das wir noch weiter wollen. Zum Trost kaufen wir aber bei einem der vielen Weinbauern eine leckere Flasche „Jerusalemcan“.

 

Übrigens in ganz Slowenien ist nichts zu sehen von einem armen oder sogar noch rückständigen Land. Slowenien ist dem Süden , auch Kroatien um Längen voraus. Ob es da nun um Sauberkeit, Sanitäranlagen, Unterkünfte, Essen oder Strassen geht.

 

Wie schon gesagt von den Weinbergen geht es hinunter in das Tal der Mur, direkt an der ungar. Grenze. Hier ist es nicht wirklich faszinierend. Alles flach, kaum Kurven, aber es ist doch interessant zu sehen, welche enormen Unterschiede es in diesem Land gibt. Du hast die Ausläufer der jurischen Alpen, das Klima an der Adria, die verschlossene unzugängliche Gegend rund um die Krka, die sanft geformte Gegend der Weinanbaugebiete und dort ein Klima ähnlich der ungarischen Steppe.

 

Weiter geht es wieder durch die Weinberge, diesmal wollen wir die überlaufene Strasse von Radgona nach Maribor umgehen. Maribor besichtigen wir nicht, da es sehr warm geworden ist und uns das Fahren in Motoradklamotte mehr zusagt als einen Spaziergang in derselben.

 

So und nu sind wir wieder im Gebiet der Alpen, das heißt die Berge höher, die Strassen kühner, 18km Schotterpiste bei einer Serpentinenabfahrt mit engen Kehren, voll bepacktes Moped und zu Zweit, das ist doch schon was!

 

Es ist so toll heute! Jetzt fließt neben uns die Drava, die Berge, die Sonne die schon recht tief steht gibt dieses ganz besondere Licht ab. Wer von Euch kennt es nicht, dieses Gefühl, ach Du möchtest niemals mehr anhalten!

 

Doch leider müssen wir ja noch Zimmerstress machen. Gut bewaffnet wie wir sind, wissen wir auch, dass es im nächsten Ort was gibt. Na ja, dieses Mal haben wir kein Glück! Kurzerhand rufen wir im nächst gelegen Hotel, Fahrzeit ca. 20 min., an und die haben auch was frei. Also nichts wie hin.

 

Um keine weitere Zeit zu verlieren fragen wir am Ortsanfang direkt nach, wo das Hotel liegt. Die Auskunft:“ Oh ja , da vorne links und dann immer geradeaus.“ Okay, nach 3,5 km fragen wir den nächsten. „Oh ja, immer geradeaus!“ Herr jeh, wo sind wir bloß! Wir treffen auf einen Jungen und fragen noch einmal. Er meinte auch immer geradeaus, mit der Maschine ca. 5 Min.!

 

Mittlerweile geht es über Schotter in Serpentinen den Berg hinauf, es wird nun schnell dunkel, und der Weg endet auf einen Kiesplatz, auf dem 2 Bagger stehen. Die Nerven fast blank, sehen wir rechts unter uns den Gipfel eines Hauses und das ist unser Hotel. Wir sind ganz alleine, wir können uns das schönste Zimmer aussuchen, das Tal liegt unter unserem Balkon. Die Wirtin eröffnet nur für uns, nach unseren Wünschen die Küche, super lecker und viel zu viel gab es zu Essen, allerdings sind wir um 9.30 vor Kälte zu Bett gegangen. Man hat die Heizperiode noch nicht eröffnet. Aber da wir uns heute morgen eine Flasche Wein in den Weinbergen gekauft haben, einen langen und aufregenden Tag hinter uns haben, haben wir sehr schnell die nötige Bettschwere.

 

Ein toller Tag findet sein Ende!

 

 

 

 

 

7.Tag

 

Das Aufstehen macht heute schon Spaß. Der Ausblick über das Tal ist grandios, teilweise steigt der Nebel auf, die Sonne scheint von einem strahlend blauen Himmel, wir freuen uns auf einen neuen Fahrtag! Die Temperatur liegt im Moment noch bei nur 6 Grad, aber im Laufe dieses Tages wird es lecker warm.

 

Die Route führt uns heute in die Logarska Dolina, ein Alpental, welches bei den Slovenen als das schönste gilt. Ein zehnminütiger Fußweg führt ziemlich steil den Berg hinauf zu einem Wasserfall. Jetzt sind wir wirklich im Einzugsgebiet der Alpen und fahren auf kleinen Strassen Richtung Bled. Hinter jeder Kurve neue Ausblicke, vor uns liegen wie gemalt die Juren und die Karawanken. Von Bled aus geht es durch ein wunderschönes Tal zum Bohinjsko Jezero.

 

Ca 10 min. Fußweg vom See entfernt nehmen wir ein Zimmer in einer wunderschönen Pension Kristall für 2 Nächte. Morgen ist spazieren und relaxen angesagt. Auch hier gibt es zum Essen wieder gute slovenische Hausmannskost, Kosten 30,- Euro HP pro Pers. und Nacht, kannst de echt nicht meckern.

 

Leider ist am Abend nix los hier. Die anderen Gäste verziehen sich so gegen 9 Uhr schon, das Leben am See ist wegen Kälte erloschen. Also heißt es ausschlafen.

 

 

 

8.Tag

 

Heute wird gewandert. Wir fahren bis Bled. Von dort geht es erst durch die Vintgar klamm, eine Schlucht, die nur zu Fuss zu erkunden ist. Absolut lohnenswert. Nebenbei gesagt, nach so vielen Mopedtagen, tut die Bewegung auch gut.

 

Hinterher besichtigen wir Bled, allerdings machen wir keine Bootsfahrt zur Insel mitten auf dem Bleder See, da fahren wir lieber Moped. Nach einem guten Mittagessen in unserer Pension fahren wir bis zum anderen Ende des See`s um von da aus mit der Gondel auf den Berg Vogel zu fahren.

 

Wir sind ein bisschen enttäuscht, die 10 Min. Auffahrt war zwar ganz nett, von oben gibt es auch einen schönen Ausblick auf den See und die umliegenden Berge. Aber mal ganz ehrlich haben wir Tourenfahrer nicht schon so viele überwältigende Aussichten gehab!?!

 

Man sollte eigentlich im Laufe der Jahre gelernt haben, dass alles was für die Touristen gemacht wird, nicht unbedingt das Beste ist, aber wenn Du nie was mitmachst weißt du es ja nicht. Na was soll`s, den Rest des Tages verbringen wir entspannt am See und freuen uns über unsere tolle Slovenien Rundreise, die morgen schon zu Ende ist.

 

Aber eines steht fest: Im nächsten Jahr sind wir noch einmal hier, solange Slovenien noch nicht allgemein bekannter wird. Und wir können allen Interessierten Slovenien wärmstens empfehlen ! Wir haben nur die besten Erfahrungen über Land und Leute gemacht!

 

 

 

 

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